Donnerstag, 18. Februar 2016

Irgendjemand da oben muss mich lieb haben!

Ein feuchter Schmatzer weckte mich auf. Nanu? Wer war denn das? Suchend tastete ich mit müden Blicken das Zimmer nach dem heimlichen Knutscher ab. Dann hörte ich jemanden, der sich unter dem Sofa versteckt hatte und am Polster entlangrobbte. Kira! Guten Morgen! :)

Der junge Wirbelwind hatte in der Nacht kaum ein Auge zugetan und das Wohnzimmer in eine Spielwiese verwandelt, doch mich störte es kaum. Ich schlief wie ein Stein, der bereits Moos angesetzt hatte. Langsam wurden auch die restlichen Bewohner wach. Julia sorgte für eine stärkende grüne Energiebombe in Form eines Smoothies, der mir schlagartig die Augen öffnete. 
Die Beiden hatten mir für den heutigen Marsch einen sehr guten Tipp gegeben, damit ich den Asphalt heute nicht wieder prügeln müssen würde.

Marvin nahm mich im Auto mit nach Bühl. Dort hatte ich ca. eine Stunde Aufenthalt, den ich in einem Café mit Kakao und Leckerli ohne jegliche Langeweile, dafür mit dicken Backen und Milchbart hinter mich brachte. 


Beim Blick auf mein mobiles Funktelefon folgte das nächste Strahlen: Ich hatte einen Schlafplatz für heute Nacht! Jawoll!! Zwar nicht in Rastatt, wie ursprünglich geplant, aber das war mir nun auch egal; Hauptsache ein warmes Fleckchen irgendwo!

Jetzt aber schnell zur Bushaltestelle! Von Bühl chauffierte mich ein Linienbus nach Forbach. Vorbei an Skipisten, eingeschneiten Wäldern, zugefrorenen Seen; wie ein Kind klebte ich mit der Stirn an der Scheibe und freute mich über die herrlichen Ausblicke! In Forbach selbst lag leider kein Schnee mehr, doch der Weg versprach um einiges interessanter als gestern zu werden! Danke ihr Zwei für den Tipp!!

Kaum hatte ich die Ortsgrenze von Forbach überschritten, ging mein Handy, mein Navigator, mein Mittel zum Überleben in diesem Augenblick schon wieder schlagartig aus und regte sich nicht mehr. Das war schlecht. Sehr schlecht. Zunächst versuchte ich es mit meinem leicht gestörten geografischen Instinkt. Nachdem ich aber über mehrere, für Fußgänger wohl eher ungeeignete Straßenabschnitte und Brücken, an denen es seitlich gnadenlos bergab ging, überquert hatte, erinnerte ich mich an die Powerbank, die Danilo mir doch da gelassen hatte. Meine Rettung! Ein paar Minuten später hatte mein Handy wieder Saft - dann aber konnte ich zusehen, wie die Empfangsbalken sekündlich abnahmen, im Nichts verschwanden und mir nach kurzer Zeit nur noch die "Kein Service"-Schrift entgegenblitzte. Na Klasse, Willi! Also doch wieder Instinktlauf.

Bestimmt habe ich so nicht den direkten oder angenehmsten Weg gefunden, aber dennoch, die Route war sehr schön. Stundenlang keine Menschenseele, die mir den Weg kreuzte. Bloß die Natur, entfernte Zivilisation und ich.






...guck guck?

Wer auch immer hier haust, ich würde wirklich zu gerne mal ne Nacht dort couchsurfen! :)

Stets nach der Murg mich richtend kam ich viel zu früh in Gaggenau an. Ich wusste, dass erst um 18 Uhr in Kuppenheim einkehren könnte, also suchte ich nach einem Ort, an dem ich einige Zeit verbringen könnte, ohne viel Geld auszugeben, mich nach Öffnungszeiten zu richten und in dem ich vielleicht nicht direkt auffalle. Ratet, welchen Ort ich aufsuchte... Ja, genau richtig: McDonalds! Ich bestellte bloß ein Getränk und verweilte die nächsten 1,5 Stunden auf einer der Polsterbänke irgendwo hinten im Eck, beobachtete die Menschen, die hier ein und ausgingen und war recht froh, als die Uhr anzeigte, dass ich weiterziehen könnte.

Der Endspurt führte mich noch einmal durch die Natur, einen kühlen, luftfeuchten Wald, in dem absolute Ruhe herrschte. Ein schöner Abschluss der Etappe!

Bei Lucca und Nele eingetroffen, durfte ich eine große Luftmatratze im Wohnzimmer mein Eigen nennen. Während Nele das Abendessen zubereitete, setzte Lucca seine gesamte Aufmerksamkeit und Emotion in den Quadratmeter vor dem Flachbildfernseher, der gerade ein Spiel der UEFA Europa League ausstrahlte. Für mich ein sehr amüsantes Bild, doch ich hätte meinen Platz wohl auch definitiv eher in der Küche gesehen. Für das Abendessen wurde eine Fußballpause eingelegt und gegen interessante Gespräche zwischen drei jungen Leuten, deren Geschichte, Beruf, Reisepläne und Allerlei getauscht. Und wieder erstaunte es mich, welche neuen Kenntnisse man aus solchen Gesprächen mitnehmen kann und freue mich jedes Mal erneut, dass ich mich für Couchsurfing entschieden habe!

Leider habe ich es verpasst ein Bild mit den Beiden zu machen :-/
Darum hier ein selbstgemaltes "Werk":



Bemerkung: Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben! Sieht man ja auch.

Impressionen:







Kilometerstand: 561km

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