Mittwoch, 17. Februar 2016

Asphalt schrubben

Wie immer kam der nächste Morgen schnell. Rasant schnell. Aber der leckere Obstsalat und eine Tasse kräftigen Tee, die mir Liesa vor die Nase setzte, machten mich munter und fit. 
So cool wie Liesa war, brachte sie mich zum Supermarkt in Offenburg und ersparte mir damit ein paar zusätzliche Schritte, denn eigentlich wohnte sie nicht direkt in Offenburg, sondern in Ortenberg. Wie sich herausstellte, war ich bereits gestern auf dem Weg nach Offenburg an Ortenberg vorbeigelaufen, somit durfte ich heute getrost "abkürzen".

Tschüss Liesa!

Im Supermarkt deckte ich mich mit einem heißen Becher Kakao und etwas Essbarem ein, denn es war wirklich bitterkalt an diesem Morgen. Gerade, als ich mein Münzgeld zusammenkratzte, sprach mich ein steinalter, hagerer Mann mit Krückstock an. "Junge Dame, machen Sie Trekking?", fragte er mit zittriger Stimme und zugleich einem Kinderlachen, dass ich wohl niemals mehr vergessen werde! Er war in Begleitung eines ebenfalls älteren Herrn, der sich jedoch in Größe und Breite nichts nahm. Ich glaube, ich habe noch nie ein so goldiges Altenduo gesehen! Sie winkten mir noch nach, als sich das Glas der Schiebetür hinter mir schloss.

Mensch, was für eine langweilige Strecke heute. Mister Google führte mich ohne Ausnahme an der Bundesstraße entlang und verwehrte mir jegliche schöne Aussicht. Scheinbar wirkte ich so armselig, dass gleich 2 Autos unabhängig voneinander anhielten, um mich ein Stückchen mitzunehmen. Um mir dieses Angebot zu machen, legten sie sogar ziemlich spektakuläre Wendemanöver ein. Doch ich blieb eisern, was mir natürlich in diesem Moment nicht leicht fiel; ich lief zu Fuß weiter. Die Beiden akzeptierten, hoben die Daumen und düsten davon. Nach dieser lauten, abgasbelasteten und kargen Etappe wusste ich jegliche Berge und Hügel, Matschpfade, Baum-Mikados und sonstige Hindernisse inmitten der Natur umso mehr zu schätzen!

Mächtig freute ich mich, als ich Ottersweier endlich erreicht hatte. Zwar waren es heute deutlich weniger Kilometer als gestern, doch der Weg an sich hatte mich ziemlich müde gemacht. Ich suchte nach der richtigen Adresse und klingelte bei Julia und Marvin. Die Tür ging auf und ein aufgewecktes junges Mädel kam das Treppenhaus hinuntergesprungen. Das war Julia! Na los, hinein, Schuhe aus, ein Glas Wasser und die Bekanntmachung mit der jungen, verspielten Katze Kira (Ich hoffe, ich erinnere mich richtig an ihren Namen!). Ein paar Gespräche auf der Couch und ein Stück selbstgebackener Kuchen im Wohnzimmer der gemütlichen Wohnung brachten meine Lebensgeister zurück. Es ist immer wieder erstaunlich, wo sich Parallelen mit wildfremden Menschen bilden!

Anschließend gingen wir mit Kira eine Runde durch den großen Garten hinter dem Haus; die Kleine muss sich erst noch an die große, unbekannte, voller Abenteuer lauernde Wildnis gewöhnen und schnuffelte neugierig in jede Ecke, in jedes Mauseloch hinein. Es war richtig schön zu sehen, wie sie gerade die Welt entdeckte!

Abends kam Julias Freund Marvin dazu und dann wurde gekocht und geschmaust, Musik gehört und relaxt. 

Leider musste ich an diesem Abend relativ viel Zeit am Handy verbringen, hatte ich doch für den kommenden Tag, also morgen, noch keinen Unterschlupf finden können. Nun wird es langsam knapp... Ich hoffe doch sehr, dass sich irgendwo ein Bettchen für Adjoa finden wird!
Impressionen:

Gibt's heute quasi keine, die Bundesstraße war nicht hübsch genug!

Das Einzige, was mir auf dem heutigen Weg Kraft und Motivation gegeben hat - Eine gaumenschmausende Liebeserklärung an die Schweiz :)))

Kilometerstand: 536km

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