Freitag, 5. Februar 2016

Vom Couchsurfen zum Extremcouching

Ein fixer morgendlicher Kaffee und für mich eine Tasse Tee, dann mussten wir uns aber verabschieden. Und es ging auch gleich stramm los. Hier in Kinsau macht die Bergstraße ihrem Namen alle Ehre. Aber so wurde es uns auch gleich warm unter den Schichten aus Kleidungsstücken. Außerhalb von Kinsau besorgten wir uns in einer Tankstelle noch schnell etwas Proviant für den Tag, denn die heutige Strecke versprach 2 ausgedehnte Waldspaziergänge ohne viel Zivilisation. In der Tankstelle trafen wir auf einen jungen Mann, den Verkaufsleiter der Klosterbrauerei Andechs. Er erzählte, dass er uns bestimmt einen Schlafplatz und eine warme Mahlzeit im Kloster Andechs hätte organisieren können; schade, dass wir diese Möglichkeit verpasst hatten! Aber er bot uns freundlicherweise seine Hilfe an, falls wir in einem anderen Kloster unterkommen wollten seine Kontakte spielen zu lassen.

Die beiden Wälder, die wir kreuz und quer durchforsteten, waren weit und ruhig. Keine Menschenseele war hier unterwegs. Einsame und zugleich beruhigende Stille. Kaltes, frisch duftendes Moos, in dessen winzigen Blättern sich kristallklares Tauwasser sammelte und behutsam eingebettet wurde. Nasses, durchweichtes Holz, das von den schwachen Sonnenstrahlen, die gelegentlich die dichte Nadelwalddecke durchbrach, angewärmt und getrocknet wurde. Das Moos zwischen den ewig langen und sehr dicht aneinander wachsenden Bäumen sah so weich und flauschig aus, dass ich mich am liebsten wie ein kleines Bambi hineingekuschelt hätte! Doch so viel Zeit blieb uns leider nicht.

nur für Damen!!



Es dauerte einige Stunden, bis wir den Wald hinter uns gelassen hatten und die ersten Anzeichen einer Stadt wahrnehmen konnten. Kaufbeuren war die Stadt, die wir in der Ferne sahen und der wir Schritt für Schritt näher kamen. Mit jedem Schritt wurde auch der Himmel ein wenig dunkler, der Abend war eingeläutet und würde bald den kalten, schwarzen Mantel der Nacht über die Stadt legen; wir sollten uns also beeilen. Unsere Couch allerdings befand sich nicht in der Stadt, sondern ein gutes Stück dahinter. Wäre da nur nicht dieses riesige, schier endlos große, alte Militärgelände im Weg gewesen, das uns einen fiesen Umweg bescherte.


Jeder Versuch irgendwie abzukürzen und den Umweg zu umgehen, scheiterte kläglich. Erst als das letzte Tageslicht vollständig von der Dunkelheit verschluckt worden war, hatten wir den Stacheldrahtzaun und die Betreten-verboten-Schilder erfolgreich umlaufen und standen müde und erschöpft vor dem Haus unseres Couchsurfing-Hosts Benny.

Schon als die Tür sich öffnete, bemerkten wir, dass in Bennys Wohnung eine Menge Leben tobte. Damit meine ich die schwarze Labradorhündin Josi. Noch nie zuvor wurden wir derart stürmisch, freudig und mit so viel Zunge begrüßt!

Der Aufenthalt bei Benny und Josi war die angemessene Entschädigung für den heutigen endlos langen Fußmarsch und die schmerzenden Stummel am Ende unserer Beine. Sobald wir die Couch auch nur mit dem kleinen Finger berührt hatten, wurden wir von ihr magnetisch angezogen. Schnell war klar, dass wir von dieser zumindest heute nicht mehr aufstehen würden und genau so war es auch. Abendessen, Hund kuscheln, mit Benny erzählen, alles geschah bloß noch in liegender Position. Wie 3 Ölsardinen in der Büchse und einem noch aktiven Vierbeiner vegetierten wir vor uns hin, lauschten der passenden Musik, redeten übers Reisen, Festivals, den Sommer und viele andere schöne Dinge, bis wir schlussendlich einfach einschliefen. Und wie der eine Tag endete, so begann auch der darauf folgende...

Impressionen:
Na, wo ist der Fehler???! (für Schwachäugige; es liegt bestimmt nicht an meinem fotografischen Talent oder den Pixeln: Auf den beiden Schildern ist Kaufbeuren mit zwei unterschiedlichen Distanzen ausgeschildert...)


Josi mit den Killeraugen

Kilometerstand: 207,79km

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