Montag, 15. Februar 2016

Einsam an der Dreisam

Und schon war er da, der Tag der Trennung. Während ich schon bei Regen in den Straßen Freiburgs umherirrte und mit meinem defekten Handy, was sich in einem Akkuschaden und der gedrosselter Internetverbindung und äußerte, versuchte einen Weg hinaus aus der Stadt zu finden, packte Danilo im Hostel gerade seine Sachen zusammen, um am heutigen Tage nach Hause zu fahren. 
Ich bin es wohl gewohnt alleine durch die Gegend zu ziehen, doch dieses Mal schlug mir die Mischung aus Abschied, Sprühregen und Autoabgasen mächtig aufs Gemüt. Es war mir, als hätte ich etwas im Hostel vergessen.
Die potthässlichen Schrebergärten, die ich nun durchwanderte, stimmten mich nicht unbedingt um. Doch aber vergnügten mich die Entenscharren auf der Dreisam, die mich ganz interessiert anschauten und herumschnatterten, als würden sie sich gegenseitig von ihren Wochenenden erzählen. Einige Male machte die Dreisam einen Satz, wo das fließende Gewässer aufsprudelte. An diesen Stellen surften besonders viele Enten herum und schienen die Wasserbahnfahrt in vollen Zügen zu genießen. Verdammt gerne wäre ich zu ihnen ins Wasser gehüpft, dazu war es dann aber doch zu kalt.
Der Weg blieb die ganze Zeit über gleich. Ich lief über den Damm, die Dreisam folgte Beifuß. Was sich aber veränderte war das Wetter - zum Glück. Wenigstens wurden die dicken Regentropfen immer schlanker, bis sie endgültig verschwunden waren und nur den aufgeweichten matschigen Boden zurückließen. 
Am Abend lief ich in Herbolzheim / Tutschfelden ein. Dort wurde ich schon von meinem host Simeon erwartet. Er bittet mich hinein. Es ist sein Elternhaus. Das obere Stockwerk steht leer und wurde mir für die kommende Nacht überlassen. Simeon schmiss extra den Kaminofen an und so kam ich langsam wieder auf Betriebstemperatur. Derweilen erzählten wir und plauderten aus dem Nähkästchen über die vielen verrückten Ereignisse, die wir auf unseren Reisen bisher erlebt hatten. Besonders bei den low budget Geschichten, die Simeon auf Lager hatte, wurde ich an meine Spitzenzeiten in Australien und Neuseeland erinnert, in denen ich mich wochenlang drei Mal täglich von Instant Noodles ernährt hatte. 
Nach der allabendlichen heißen Dusche lernte ich seine Freundin und einen Großteil der sechsköpfigen Familie kennen. Darunter auch seinen Bruder, der gerade frisch aus den USA zurückgeflogen kam. Beim gemeinsamen Abendessen kamen viele lustige Themen, einige Buchvorschläge von Leuten, die alleine oder mit vierpfotiger Unterstützung irgendwo in der Weltgeschichte Kilometer prellten, und Grundsatzdiskussionen über Gott und die Welt, in denen wir uns immer ziemlich einig waren, auf den Tisch. Bei so viel Reiseerfahrung wie in diesem Raum schienen die Uhrzeiger zu sprinten und ruckzuck war die Nacht angebrochen. Es war Zeit ins Bett zu gehen, morgen warteten wieder einige Kilometer darauf heruntergerissen zu werden!

Impressionen:

Die einzigen "Sehenswürdigkeiten auf dem Weg



Kilometerstand: 473,35km

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