Wenn der Morgen mit Frank Sinatra startet, verspricht der Tag wohl gut zu werden! Zusammen mit Lars frühstückten wir und zwängten uns danach in unsere Wanderuniformen. Die Nacht hatte es wieder geschneit; wir waren gespannt, wie viel Neuschnee uns auf der Strecke erwarten würde. Wir hatten ja keine Ahnung...
Kaum hatten wir Rietheim hinter uns gelassen, ging es aufwärts, hoch hinauf. Mit jedem Schritt kam ein Millimeter Schnee dazu. Und es waren einige Schritte, die wir zurücklegten!
Wir kamen in einen Wald, der aussah wie aus einem Disneyfilm. Hohe Tannen, mit Schnee bepudert, auch auf dem Boden eine samtig weiche unberührte Schneedecke. Dazu schien die Sonne und ließ die Eispfützen und Kristalle, die an Bäumen und Gehölz hinunterhingen, funkeln und glänzen.
Auch heute wollte der Berg nicht freiwillig enden, es ging weiter und weiter nach oben. Kein Wunder, waren wir doch nur noch einen Katzensprung vom Feldberg entfernt! Wenn die Sonne ihre starken Momente hatte, brachte sie all den Schnee auf den Baumspitzen zum Schmelzen, sodass wir uns im reinsten Regenwald wiederfanden, wenngleich der Boden noch knöchelhoch mit Schnee bedeckt war. Dabei fingen die abgeholzten Baumstämme an ihren frischen Holzduft auszusenden - ein Duft, den ich absolut liebe! Unter dem Schnee brachen die darunter verborgenen, vereisten Pfützen mit einem himmlischen Geräusch.
Nach einer Weile verließen wir die Strecke mit den Reifenrillen und den Fußstapfen im Schnee; ab jetzt waren wir die Einzigen, die Fußspuren hinterließen.
Wo es bergauf geht, geht es irgendwann wieder bergab. So auch hier. Durch das frostige Wetter war der Abstieg aber alles andere als ein Zuckerschlecken. Wie sehr hätte ich mir jetzt einen Schlitten gewünscht und wäre den Weg einfach sitzend hinuntergedüst! Ich war so kurz davor meinen Backpack umzudrehen und ihn als Schlitten zu missbrauchen, doch fasste ich mir ein Herz und verschonte ihn. Höchstwahrscheinlich hätten wir diesen Spaß beide nicht unversehrt überstanden.
Wieder im Tal kamen wir bald an eine Strecke, die zu Fuß nicht passierbar war. Es gab lediglich eine wild befahrene Straße, keinen Rad- oder Fußweg. Und nun? Von weitem sahen wir eine Bushaltestelle, hatten aber keine große Hoffnung, dass genau jetzt einen Bus vorbeifahren würde. Aber wir hatten doch Glück. In 7 Minuten würde, sofern der Plan stimmte, ein Bus kommen, der uns das gefährliche Stück ersparen würde! Ein Bus von fünf Fahrten täglich, so viel Glück muss man erst einmal haben! Als der Bus kam und uns der Busfahrer dann noch erzählte, dass erst letzte Woche eine Frau auf der Strecke vom Auto erfasst worden war, begrüßten wir unsere Entscheidung umso mehr!
Ein und ein paar Kilometer weiter sprangen wir wieder raus und stapften zu Fuß weiter. Das Wetter wurde immer genialer, das Schneebarometer stand auf Kniehoch, Wege waren nicht mehr von Feldern, Pfützen oder sonstigem zu unterscheiden. Es war einfach herrlich! So sehr sogar, dass ich am heutigen Tage am liebsten niemals angekommen wäre.
Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Neustadt / Titisee. Dort empfing uns Andre, unser host, in seiner kleinen, süßen Wohnung mit Blick auf den eingeschneiten Garten. Zur Erfrischung nach der langen Wanderung gab es Tee, Kekse und frisches Obst. Zum Abendessen zauberte Andre eine mortz große Pfanne gebratene Chinanudeln mit Hähnchen. Das Blitzen in unseren Augen muss erblindend gewesen sein! Wir fühlten uns pudelwohl, es war warm, es war gemütlich, wir waren pappsatt. Besser hätte dieser Tag nicht sein können!
Impressionen:
Kilometerstand: 418,35km















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