Freitag, 12. Februar 2016

Schinkenbrot 8,50€!

Eigentlich dachten wir ja, dass wir uns gestern mit dem Erklimmen der letzten Anhöhe einen Vorsprung verschafft hätten. Die Realität sah jedoch ganz anders aus, der düstere Nebel hatte sie nur vor uns versteckt. 


Je weiter wir kamen, desto größer wurde der Berg und wollte gar nicht aufhören. Aber dann, endlich, ging es bergab! Die Freude enorm. Dennoch nur von kurzer Dauer, denn gleich darauf folgte der nächste Anstieg. Und in dieser Abfolge wiederholten wir das Spiel unzählige Male. Zu beachten ist aber, dass das Level von Mal zu Mal schwieriger wurde. Anfangs waren es Feldwege, dann waren es Felder ohne Wege und zum Schluss war es ein Wald ohne jegliche Anzeichen eines Weges und, natürlich, Baumstamm-Mikado. Aber letzteres kannten wir ja schon vom Vortag.




Ich weiß nicht mehr genau wie, nur irgendwann erreichten wir den höchsten Punkt und hier lag auch gleich frischer, weißer, fluffiger Pulverschnee. 
Nach all der Anstrengung hatten wir plötzlich ein riesiges Loch im Bauch und gegen ein heißes Getränk war auch nichts einzuwenden. Kurzerhand kehrten wir im Restaurant Hegaustein ein. Mit einzigartigem Panoramablick, der lediglich von Dunst ein paar dicken Nebelschwaden verschleiert wurde. Aber wenn die Sonne sich anstrengte und ein paar stählerne Strahlen durch die abertausenden winzigen Wassermoleküle, die sich krampfhaft aneinanderklammerten um eine Einheit zu bilden, durchschleusen konnte, entstanden Bilder, die mit bloßen Worten nicht zu beschreiben sind. 


Aus lauter Übermut bestellten wir gleich eine Kanne Kaffee, Tee und 2 Schinkenbrote als Snack für zwischendurch. Von Wegen Schinkenbrot! Als die gute Dame die beiden Teller auf den Tisch mit bestickter Tischdecke abstellte, lagen da jeweils, zumindest gefühlt, zwei Laiber Brot und ein halbes Schwein auf dem Teller, dazu ein Löffel Karottensalat, eine saure Gurke und 3 Röschen Feldsalat. Damit hatten wir nun irgendwie nicht gerechnet, aber ablehnen wollten und konnten wir natürlich auch nicht. So fiel der "kleine Happen" etwas größer aus.


Nachdem wir den Gipfel ja bereits im Sturm, oder besser gesagt im lauen Lüftchen erobert hatten, ging es nun wirklich bergab. Aber heftig! Und blöderweise konstant an der Straße entlang. Nicht nur einmal landete das Spritzwasser, welches die brausenden Autoreifen in die Höhe katapultierten, in unseren Gesichtern. Umso erleichterter waren wir, als wir endlich den nächsten Ort erreicht hatten. Dort spazierten wir in den Supermarkt und deckten uns ordnungsgemäß für die letzten Kilometer ein. Es war ein Bild für die Götter, als Danilo wie ein Schulkind aber mit größtem Charme am Tresen der Wursttheke hing und mit eingeübtem Dackelblick nach einer Scheibe Wurst "fragte". Selbst die Bedienung musste so schmunzeln, dass sie sich geschlagen gab und überreichte dem kleinen Bub eine deftige Scheibe Mortadella. 
Irgendwann gegen halb 6 Uhr kamen wir in Rietheim bei Villingen-Schwenningen an. Dort wohnt Lars, ein Bekannter, den ich mehrmals beim Reisen in Neuseeland getroffen habe. Der arme Kerl war ziemlich erkältet, sodass er uns seine kleine Ein-Zimmer-Wohnung für die Nacht komplett überließ und sich selbst später zu seinen Eltern vorziehen würde. Mit dem Luxus waren wir zunächst komplett überfordert. Erst recht, als er uns dann noch einen gaumenschmausenden Nusszopf und Tee vorsetzte. Und der schmeckte gut kann ich euch sagen! 
Den Abend ließen wir ganz gediegen ausklingen, schauten den ersten Film seit Wochen und kuschelten uns in unsere Schlafsäcke. Das hatte schon was für sich! 

Impressionen:

Der Bub beim Spielen


Kilometerstand: 393,35km

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