Mittwoch, 3. Februar 2016

Viele Wege führen nach Dießen

Raus aus den Federn, ab in die Pantoffeln, heute geht's nach Dießen am Ammersee!

Tschüss Dennis!!

Allerdings nicht im vollen Tempo und auch ein wenig verkürzt. Um unseren Füßen ein etwas entgegenzukommen, erlaubten wir uns von Pullach mit der S-Bahn nach Schäftlarn zu rollen. Dort musste man aber auch erst einmal hinkommen!


In Schäftlarn erwartete uns bereits eine fette Wolke, die sich nicht entscheiden konnte, ob sie uns mit Regen oder Schnee beträufeln sollte.

10km später erreichten wir Starnberg, wo wir uns rasch in ein Café verzogen, um kurz anzutrocknen. Kaum saßen wir im Trockenen, hörte auch das Schnee-Regen-Gestöber draußen auf. Doch als wir uns wenig später wieder ins Freie trauten, dauerte es keine 5 Minuten und die kalte Sprühdusche fing von vorne an. Also skipten wir den langen, romantischen Ausblick auf den Starnberger See und gönnten uns den Luxus uns in einen Linienbus zu schwingen, der uns hinauf nach Andechs brachte. Und in Andechs blitzte plötzlich die Sonne durch, als wäre nie etwas gewesen. Sei es drum. Wir versuchten uns eine Route durch den Wald und Richtung Ammersee zurechtzulegen, mehr schlecht als recht, denn die Wege endeten regelmäßig im Nirgendwo und scheiterten an abrupten Abgründen oder unpassierbaren, mit Baumstämmen durchspießten Matschpfaden, die man ohne Laserparcours-Übung unmöglich durchqueren konnte. Somit dauerte der Marsch durch den Wald etwas länger.
Hier irgendwo müssen wir lang!


Lass die Lieslott mal suchen!

Noch eine Ortschaft, dann kommt Dießen! Das motivierte ungemein, denn wir hatten bloß noch mit 30-40 Minuten Tageslicht zu rechnen. Die Entfernung zum Zielort betrug schlappe 4,1km, der Fahrradweg allerdings schlängelte sich satte 8,4km durch ein Naturschutzgebiet. Was machten wir also? Wir versuchten an der Landstraße entlang zu laufen. Ziemlich schlechte Idee, wie sich herausstellte! An der Straße gab es kaum 10cm Platz zum Laufen, die Autos fegten über den Asphalt, als wäre in Dießen Weißwurschtel-Sonderschlussverkauf, der einzige Weg führte übers Feld. Da wir aber den Bauern das Feld nicht platttreten wollten, versuchten wir auf schmalem Fuß zu leben und einen Mittelweg zwischen Wildunfall auf der Straße und Knöchelbruch im Acker zu finden. Das alles dauerte unwahrscheinlich lange und schwubsdiwubs war es dunkel, was die Sache keines Falles besser machte. Der Boden war so durchgeweicht, dass wir immer wieder in dem lockeren Ackerboden versanken und ständig tauchten neue Sträucherwände auf, die uns den Weg versperrten. Wir hielten uns an den Leitblanken fest, um uns Halt zu gewähren und irgendwie den kleinen Fluss, der immer wieder zwischen den Feldern auftauchte, überqueren zu können. Als wir die Lichter von Dießen in weiter Ferne erspähen konnten, wollten wir voller Eifer übers Feld abkürzen, aber ratet, wer uns die Tour vermasselte? Japp, der verflixte Fluss! Da war er schon wieder! Um ein Haar wären wir hineingeplumpst, da es bereits stockfinster geworden war und man kaum erahnen konnte, was einen auf dem nächsten Meter erwarten würde.

Ich weiß nicht, wie lange es gedauert hat, bis wir endlich ankamen. Jetzt war noch die Schwierigkeit, dass unser Host erst am späteren Abend nach Hause kommen würde, also suchten wir uns eine Bleibe, tranken heißen Tee und amüsierten uns über die trottelige Aktion, die wir gerade hinter uns gebracht hatten. Was für ein Tag!

Doch dann kehrten wir bei Vinzenz ein und verwüsteten seinen Flur mit unseren nass dreckigen Klamotten. Aber er nahm es total gelassen. Vinzenz wohnt in einer Wohnung im Erdgeschoss mit gewölbter Decke; früher haben sie hier scheinbar ihr Vieh gehalten und heute Nacht hausten wir hier. Bitte jetzt keine unverschämten Kommentare!

Nach einer heißen Dusche und einem Glas neuseeländischen Wein plauderten wir noch eine ganze Weile und fanden heraus, dass unser Host ursprünglich aus dem Hunsrück stammte, bloß einen Katzensprung entfernt. Ja, die Welt ist ein Dorf!


Kilometerstand: 154,73km

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen