Zum ersten Mal, seitdem wir unterwegs sind, standen wir wirklich zeitig auf - der Wecker schmiss uns um punkt 07:00 Uhr aus dem Nest. Da Stephie heute arbeiten musste, hatten wir auch endlich eine Motivation aus den Federn zu klettern und uns nicht wie gewohnt noch einmal umzudrehen. Bisher waren wir meist bei Hosts, die entweder später zur Arbeit mussten, selbstständig waren, oder frei hatten. Oder es war Wochenende.
Danilo hatte die Nacht kaum ein Auge zumachen können, sein Heuschnupfen trieb ihn bald in den Wahnsinn. Also führte unser erster Weg schnurstracks in die nächste Apotheke, die heute zum Glück wieder geöffnet war. Ein paar Tabletten und Augentropfen, bald konnte er wieder durchschnaufen und geradeaus gucken, ohne dass dicke, fette Krokodilstränen über sein Gesicht liefen. Fiese Pollen!
Danach ging es bereits am frühen Morgen zum gemütlichen Teil des Tage über. Zusammen mit Steffen bewegten wir uns zur nächsten Bäckerei und verspeisten ein ansehnliches Frühstück, das uns Kraft für den Tag geben sollte.
Naja, für ein paar Kilometer zumindest war der Körper beschäftigt, doch an der kleinen Bäckerei auf dem Weg konnten wir trotzdem nicht vorbeilaufen, ohne ein paar Groschen in Süßkram zu investieren. Es ist unfassbar, wie hoch unser Bedarf oder eher das Verlangen nach Zucker ist, wenn wir unterwegs sind! Im normalen Leben kann ich gut und gerne auf Geschnuckels verzichten, aber hier? Keine Chance!
Also rein da! Jeder bekam etwas zum Naschen auf die Hand, Danilo sogar einen Kaffee, den die nette Bedienung extra für ihn aufsetzte. Während der Kaffee vor sich hinbrodelte, fragte uns die Verkäuferin ein wenig über unseren Trip aus. Immer wieder wollte sie anbieten uns ein Stück nach Feierabend mitzunehmen, doch ihr kleines Auto wäre so vollgeladen mit Feuerholz, dass wir wohl keinen Platz darin finden würden. Ohnehin lehnten wir mehrfach dankend ab.
Später, einige Kilometer weiter, fuhr die Dame tatsächlich an uns vorbei, winkte uns aufgeregt zu und ja, ihr Auto war wirklich bis unters Dach zugestapelt mit Holz.
Da wir so gut zu Fuß unterwegs waren, verzichteten wir am Mittag auf die übliche Pause und verlegten sie nach zeitlich hinten. Keine besonders schlaue Idee, denn um 3 Uhr nachmittags sind fast alle Gasthäuser und sonstige Einrichtungen, in denen man sitzen und sich aufwärmen kann, geschlossen. Jetzt fing es auch noch an zu regnen. Wie zwei begossene Pudel eierten wir durch die Ortschaften in der Hoffnung irgendwo etwas Trockenheit und Wärme erhaschen zu können.
Bald hatten wir die Schnauze voll mit Regenwasser. "Im nächsten Gasthaus versuchen wir es einfach, auch wenn kein Licht brennt!" Mit der Strategie hatten wir ausnahmsweise richtiges Glück. Zwar war die Küche geschlossen, doch durften wir uns aufwärmen, etwas trinken und sogar 2 Schüsseln heiße Suppe, die wohl übrig geblieben war, schlürfen. Schon leuchteten die Augen wieder!
Auf dem letzten Drittel der Tagesstrecke, das uns ziemlich direkt an einer gutbefahrenen Landstraße entlanglotste, beobachteten wir etwas Eigenartiges. Etwa 100 Meter vor uns blieb ein Auto in einer langgezogenen Kurve mitten auf der Straße stehen. Nicht alles, dass die Reifen bei der Bremsung noch gequietscht und geraucht hätten. Dann, ganz vorsichtig wurde der Rückwärtsgang eingelegt und Zentimeter für Zentimeter zurückgesetzt. Die kommenden Autos mussten spektakulär ausweichen. War der Typ lebensmüde? Was sollte das werden?! Der Wagen blieb stehen und rührte sich keinen Millimeter, bis wir zwangsläufig an ihm vorbeiliefen mussten. Irgendwie fanden wir die Situation ziemlich unheimlich und versuchten einen Zahn zuzulegen. Dann öffnete sich das Beifahrerfenster. Ein junges Mädchen saß auf dem Sitz und starrte uns freundlich an. Am Steuer saß ein Mann in Arbeitskleidung, wuscheligen Haaren und Zigarette, die er durch die Zwischenräume seiner löchrigen Zähne knetete. "Wohin?", fragte er und versuchte sein schönstes Lächeln aufzulegen. "Salem", entgegneten wir emotionslos. Er machte eine Handbewegung die symbolisierte, dass wir einsteigen sollten. "Nein, nein! Vielen Dank! Wir laufen!" Er zuckte mit den Schultern und fuhr langsam davon.
Bald hatten wir Salem erreicht, verzogen uns aber zum dritten Mal an diesem Tag in ein Café, um etwas Zeit zu überbrücken. Um 18 Uhr dann trudelten wir bei Friedrich und seiner Familie ein. Genau pünktlich zum Abendessen am vollbesetzten Tisch mit den beiden Elternteilen, 3 Kindern und dem Nachbarsjungen. Anschließend wurde im Wohnzimmer eine Geschichte vorgelesen, Danilo und ich kuschelten uns still an den großen Kamin und lauschten. Für Geschichten ist man eben nie zu alt. Und nach der Leserunde wurde ein Spieleabend eingeläutet, denn die Kinder hatten am nächsten Tag schulfrei. So hatten wir ein abwechslungsreiches und lustiges Abendprogramm als Kontrastmittel zum täglichen Wandern!
Unsere Gastfamilie für 1 Tag
Kilometerstand: 315,91km




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