Donnerstag, 4. Februar 2016

Ein himmlischer Tag

Der erste Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen zauberte uns ein überbreites Kinderlachen ins Gesicht! Während wir seelenruhig im kuscheligen Wohnzimmer auf der Couch geschlummert hatten, gab sich der frostige Winter alle Mühe über Nacht ein Winter Wonderland entstehen zu lassen; alles war unter einer weichen, fluffigen Schneedecke eingehüllt. Die kleinen Schneekristalle reflektierten das warme Sonnenlicht, alles funkelte und glänzte. Wir konnten es kaum erwarten nach Draußen zu kommen!

Nach einer schnellen Verabschiedung von Vinzenz zogen wir los und setzten frische, tiefe Spuren in den pulverigen Neuschnee. Die Tagesroute führte uns fast ausschließlich durch den tiefen, dichten und seelenruhigen Wald, gelegentlich über kleine Lichtungen und über schneeweiße Felder, auf denen Danilo immer wieder versuchte während des Wanderns Schneemänner zu bauen. Das ist mit einem Backpack auf dem Rücken gleich 10 Mal schwieriger und für Außenstehende zudem doppelt so witzig zu beobachten!



Die kalte, klare Luft, die alles Leben zum Erstarren brachte, zwang uns von Kopf bis Fuß einzumummeln und alle Klamotten übereinander zuziehen, die wir nur dabei hatten. Ausschließlich ein kleiner schmaler Streifen für die Augenpartie blieb frei, sodass wir zumindest die Chance hatten nach Draußen zu sehen, der heftige Schneefall unterband diese Fähigkeit allerdings immer wieder, sodass wir nur heftig blinzelnd erkennen konnten, wo entlang der Weg uns führte. Es war einfach herrlich!

Trotzdem all dem Spaß im Schnee hatten wir uns gegen Mittag eine Pause verdient und suchten einen Gasthof auf. Beim Öffnen der Tür kam uns schon laute Schunkelmusik entgegengeschallt. Alle Gäste waren seltsam gekleidet und eine Clownsnase wies uns einen Tisch im Nebenraum des total überfüllten Restaurants zu. Ach ja richtig, heute war ja Altweiberfassenacht!
Am Tisch gegenüber wurden 2 ältere Herren in Kostümen, die freie Sicht auf 4 stramme Waden boten, auf uns aufmerksam. Es stellte sich heraus, dass sie Teil der Musikkapelle und dass sie zum "Arbeiten" hier waren. Einer der beiden erzählte uns, dass auch er schon den Jakobsweg in Spanien zurückgelegt hatte, allerdings in einem weitaus komprimierteren Zeitraum als wir, was auch den wassermelonenartigen Umfang seiner Waden erklärte. Es handelte sich hier jedoch um äußerst haarige Melonen!

Auch der alte Wirt, der wie der Roadrunner durch die Menge flitzte, bemerkte uns, rannte weg und kam kurze Zeit später lachend mit einem Teller zurück, den er uns herzhaft wie eine Frisbeescheibe über den Tisch schmetterte und dabei heftig herumbayerte. Wir konnten ihm gerade noch ein Dankeschön! hinterherrufen, da war er auch schon wieder in der feiernden Masse verschwunden.



Das letzte Stück nach Kinsau war nur so bevölkert von irritiert starrenden Tieren. Lamas, Rehe, Kühe, Pferde, Ziegen, Schafe und andere pelzige Freunde wunderten sich wohl, was zwei aufrecht laufende Landschildkröten in Wanderschuhen um diese Jahreszeit hier zu suchen hatten.





Gegen späten Nachmittag erreichten wir Kinsau. Heute war Thomas unser Gastgeber, der uns in sein Haus mit schon angeheiztem Kaminofen und bequemen Filzpantoffeln einlud.

Nach der Begrüßung, einer heißen Dusche und japanischem Tee waren wir schon mehr als happy! Als am Abend noch gemeinsames Kochen mit Käsespätzle, ihr wisst schon, die mit dem richtigen Stinkekäse, und selbstgemachten Röstzwiebeln, Salat und Eis als Nachspeise auf dem Plan stand, waren wir dem Himmel plötzlich sehr, sehr nahe!

Wie so oft unterhielten wir uns abends über Gott und die Welt, während das Kaminfeuer im Hintergrund knisterte und uns nach ein paar Stündchen langsam in Schlafstimmung wiegte. Den Schlaf brauchten wir auch, denn der nächste Tag sollte uns einiges abverlangen!

Impressionen:


Na, schmeckts?













Kilometerstand: 175,73km

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