
Gnadenplatz und -kapelle





Jetzt mussten wir aber weiter! Und wir schafften es gerade mal bis in die nächste Ortschaft, da entdeckte Danilo einen Barbier und die Chance konnte er sich ja schließlich nicht entgehen lassen; wir bespaßten den ganzen Laden und Danilo schaut nun wieder aus wie ein Mensch. So, jetzt aber!
Heute klappte es mit der Orientierung schon ein wenig besser. Auch liefen wir nur noch selten an der Landstraße entlang, versuchten uns Wege durch Wälder, entlang der Rapsfelder und sonstige Trampelpfade durchs Unterholz zu schaffen. Dabei streute die Sonne frühlinghafte Temperaturen über uns aus, die Vögel zwitscherten harmonische Melodien, die Luft roch frisch und rein - abgesehen vom Kuhmist und dem Raps versteht sich. Kurz vor unserer Endstation Kraiburg kehrten wir in einer Gaststätte ein, weil das Knurren unserer Mägen den Krach der vorbeifahrenden Traktoren bereits deutlich übertönte. Eine Geburtstagsgesellschaft und der übliche Stammtisch waren neben uns beiden ausgehungerten Wanderern Gäste von Rosa und Herbert Löw. Der Kuchen, der auf einem Tisch in der Mitte des kleinen, mit rustikalen, schweren Holzmöbeln, rot-weiß-karierten Kissen und gebügelten Spitzentischdeckchen eingerichteten Raumes stand und seinen Lockduft auf uns schoss, ließ uns das Wasser im Munde zusammenlaufen. Wir bestellten einen Kaffee und zwei Stücke Kuchen. Letzterer jedoch gehörte zu der feiernden Geburtstagsgemeinde. Noch während wir unsere Bestellung zurückzogen schallte die Stimme der Wirtin durch den Raum: "Gebts ihr dene boide a Stiggele ab?!" (Bitte entschuldigt mein schlechtes Bayrisch!) Etwas peinlich berührt aber erfolgreich und strahlend saßen wir 5 Minuten später vor 2 riesengroßen Stücken Käsesahnetorte und heiß dampfenden und duftenden Kaffee. Nach dieser Stärkung war es kaum mehr ein Problem Kraiburg zu erreichen.


Hier wurden wir von meiner um ein paar Ecken entfernten Cousine Kathrin, Thorsten und der kleinen Klara gehostet und umsorgt. Nach einem gemütlichen Abend bei Bier, Snacks, Kerzenschein und Plauderei fielen wir hundemüde ins Bett. Der nächste Morgen begann total relaxt mit einem prall gefüllten Frühstückstisch. Nach dem kleinen Brunch packten wir unsere Füße zurück in die Wanderschuhe und zogen weiter; die 3 Kraiburger begleiteten uns das erste Stück und wiesen uns den besten Weg. Danach hieß es Abschied nehmen, und das relativ schnell, denn der Wind blies uns allen eiskalt um die Ohren. Vielen Dank ihr Drei für alles!! :)

Das Wetter tobte sich heute so richtig aus. Alle Aggregatzustände, die ich einst in meiner Schulzeit kennengelernt hatte, spielten sich heute genau vor meinen Augen ab. Zuerst war es einfach nur bitterkalt und windig, darauf nieselte es, gefolgt von prasselndem Regen, der sich in Schneeregen verwandelte und bald in dicke, fette, glitzernde Flocken transformiert hatte.
Wenn eines beim Wandern unbrauchbar ist, so ist es Regen, der sich hartnäckig in jede kleinste Pore, jedes winzigste Loch der Kleidung frisst und die Zwischenräume mit Wasser ausfüllt wie Trüffelcreme eine Pralinenhülle. Bloß sahen wir dabei alles andere als zum Anbeißen aus! Schnee dagegen ist weitaus netter und dazu auch noch viel hübscher; der Temperaturunterschied von Regen auf Schnee ist dann sowieso egal, denn kalt ist kalt. Fasziniert wie ein Kind schaute ich beim Laufen immer wieder in den Himmel, fing die Flocken mit der Zunge auf und bewunderte die Fußspuren, die wir hinterließen, bis sie in der Ferne verschwunden waren. Und kurz bevor wir komplett vor Kälte erstarrt waren, retteten wir uns wie so oft und gerne in eine Gaststätte. Sonderlich begeistert waren die Besitzer hier allerdings nicht über uns zwei vollgesogene Schneeschwämme, doch nach fordernder Nachfrage wurde uns ein Tisch im Nebenraum zugewiesen, in dem sonst keiner saß. Na, immerhin! Allzu lange wollten wir uns unter diesen Umständen sowieso nicht ausruhen und machten uns bald wieder auf in den Schnee.



Der Beweis, dass ein Blick mehr sagen kann, als 1000 Worte...
Erst als der Boden nahezu weiß bedeckt war, erreichten wir in der tiefen, nassen Dunkelheit unser Tagesziel: Wasserburg. Durch die niedlichen Arkaden, die prima vor dem gefrorenen Niederschlag und dem kalten Atem des Winters schützten, bahnten wir uns den Weg zu unserer heutigen Couch. Die befand sich im Wohnzimmer einer kleinen Wohnung in der Wasserburger Altstadt, auf der sogenannten Insel. Klitschnass kamen wir bei Steffen und seinem süßen Kater, der uns gleich gründlich untersuchte, beschnüffelte und genehmigte, an.

Als wir uns aus unserer Schutzausrüstung befreiten, setzten wir die halbe Wohnung unter Wasser, doch unser Host war äußerst gelassen. Nach ein paar heißen Tassen Tee waren wir wieder in Betriebstemperatur, die Farbe schoss in unsere kalten Wangen, doch wir knickten trotzdem bald ein und genehmigten uns einen 9-stündigen Erholungsschlaf, den wir wohl auch ziemlich nötig hatten.
Der nächste Morgen. In den Arkaden suchten wir einen Bäcker auf und stärkten uns für den Tag.

Anschließend stießen wir beim Verlassen des Cafés auf eine Gruppe Handwerker, die uns interessiert, ungläubig und fasziniert ausfragten, was wir den Dolles vorhätten. Wie in einem Schusswechsel feuerten Fragen und Antworten durch die frische Morgenluft und erzeugten einen nebelartigen Dunst in unserer Gesprächsrunde. In solche Gespräche gelangten wir heute übrigens regelmäßig und ernteten stets die gleichen Reaktionen: Erstaunte Mienen, verlegenes Lächeln bis hin zu Unverständnis gemischt mit unverkennbarem Respekt und Ansehen.
Mittlerweile zeigt die Kälte und die bereits gesammelten Kilometer auch erste Folgen: Die Sehnen schmerzen als würden Zehen und Knie Tauziehen spielen, unsere Füße gleichen einer Luftpolsterfolie und die Gelenke knarksen wie bei einem alten Holzregal mit angesägten Füßen. Sonst aber sind wir taufrisch und nicht kleinzukriegen!
Diesmal erreichten wir das Ziel weit vor Einbruch der Dunkelheit. Grafingen ist weit größer als wir angenommen hatten und auch als wir es von den heute durchlaufenen Ortschaften gewohnt waren. Unser Host für heute versprach einen sehr interessanten Aufenthalt!
Impressionen:

Mittagessen am Friedhof

WanderEI







Sie ist überall: die Jakobsmuschel

Nichts als Ruhe...
Kilometerstand: 102,92km
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen