Erst einmal draußen an der frischen Luft kam der Kreislauf richtig in Pfad, die plötzlich kalte Luft machte munter. Mit roten Bäckchen und guter Laune marschierten wir hinaus aus Kimratshofen.
Es war schweinekalt heute, die dunklen, nassen Flecken auf dem Asphalt, die wir erst für Wasserpfützen hielten, waren tatsächlich pure Eisschollen und so schlitterten wir mehr als dass wir wanderten unkontrolliert von einem Ort zum nächsten. Dazu wurde es auch noch merkbar hügeliger.
Trotz oder gerade wegen der Gegebenheiten kamen wir erstaunlich gut voran. So gut, dass wir uns nach der Hälfte in ein Gasthaus verzogen und einen Teller Schnitzel mit Pommes beziehungsweise Krustenbraten und Spätzle bestellten. Das hatten wir uns redlich verdient. Wie sich noch herausstellen sollte, war das aber wohl die dümmste Idee, die wir nur haben konnten. Das Essen kam und schmeckte vorzüglich. Alles richtig gemacht! Oder?
Wie zwei schwangere Hängebauchschweine kauerten wir uns anschließend den steilen Anstieg hinauf, der direkt vor der Tür des Gasthauses lauerte und darauf wartete uns für die Völlerei zu bestrafen.
Das Essen lag uns wie ein Hinkelstein im Magen, sodass wir bald einen weiteren Stopp einlegten, denn mit einem einfachen Verdauungsspaziergang war es in diesem Fall nicht getan. Die Pause nutzten wir natürlich nur um die schweren Füße auszuruhen. Und für einen heißen Kakao. Und einen Apfelpfannkuchen... Ja, wir hatten rein gar nichts aus unserer Dummheit gelernt.
Dann kam ein Wink vom Himmel. Ein nach Alkohol riechender Wink, nach dessen Begegnung wir gerne freiwillig gehen wollten: Die Tür ging auf, ein Mann kam hinein. Er musterte uns. Er sprach uns an. "Entschuldigung, wir verstehen leider kein Wort!", gestanden wir. Das lag wohl einerseits an seinem Dialekt, andererseits an seinem Geisteszustand. Nach dem dritten gescheiterten Anlauf versuchte er es mit seinem allerbesten Sonntags-Hochdeutsch. Wir nickten schweigend. Dann setzte er sich an den Stammtisch, trank ein farbloses, kohlensäurehaltiges Getränk in schnellen und kräftigen Zügen, lieferte sich ein wildes Dialektgefecht mit dem rumänischen Wirt und verabschiedete sich. Jedoch nicht, ohne uns die Geschichte seines Jagdhutes auf die gerade auftauende Nase zu binden, den er nämlich in Andechs zu Zeiten, als das erste Wirbeltier an Land kam, erworben hatte. Das Teil war steinalt und machte optisch und olfaktorisch einen recht kuriosen Eindruck. Bei der Erklärung war er zurück in seine alte Sprachgewohnheit gefallen und so konnten wir die Besonderheit nur vorgetäuscht würdigen. Aber es reichte, er presste zufrieden die Lippen unter seinem Schnauzbart zusammen und zog von dannen. Wir packten die Gelegenheit beim Schopfe und versuchten rasch zu verschwinden, bevor wir erneut in einseitige Gespräche verwickelt werden konnten. Unsere sieben Sachen auf den Buckel geschnallt begaben wir uns Richtung Ausgang. Doch dann öffnete sich die Tür zum zweiten Mal. Der Mann, der sich doch gerade verabschiedet hatte, stand plötzlich wieder im Raum; dieses Mal mit promillhaltiger Verstärkung. Es war ja schließlich immer noch Fastnacht. Beziehungsweise Fasching. Nun hatten wir zwei Schwatzbacken, die zwischen uns und dem Weg in die Freiheit standen und auf uns einbayerten. Nummer zwei hatte sogar Humor, als er herausfand, woher wir stammten. Nach dem üblichen "Mainz ist Drecksloch, Meins auch" folgte noch der dringliche Hinweis, dass wir bloß Gas geben sollten, denn morgen sei schon Rosenmontag! Haaahaha. Aber als Der Hutkopf mit Schnauzbart symbolisierte, dass sein Freund wohl zu viel getankt hätte, und unverständnisvoll die Augen verdrehte, die einige Zeit brauchten, um ihre Ausgangsposition wiederzufinden, mussten wir doch etwas schmunzeln. Nach den vielen Witzen spurteten wir uns, sodass wir den Scherzbolden und dem schlechten Wetter, das sich für den frühen Abend angemeldet hatte, davonliefen.
Gerade als die ersten dicken Regentropfen vom Himmel fielen, erreichten wir den Pferdehof irgendwo hinter Kißlegg. Eine Klingel gab es nicht, also klopften wir an dem großen Holzhaus. Eine ältere Dame öffnete die Tür und strahlte uns an. Sie zeigte uns, wo wir die Nacht verbringen würden. An den Pferden vorbei liefen wir auf einen kleinen, roten Kasten zu. Es war der Bauwagen, den wir über Airbnb gemietet hatten. Knappe 8 qm und davon ein 2x2 m großes Bett. Davor ein wenig Raum für Gepäck, Schuhe und Jacken, ein Stuhl, ein kleiner Nachttisch und ein Schränkchen, alles sehr geräumig! Die nette Frau war hatte uns bereits mit einem elektronischen Heizofen mächtig eingeheizt, sodass unsere Gesichter sofort glühten, als wir den kleinen Raum betraten. Toiletten und eine kleine Küche befanden sich in den Räumen hinter dem Pferdestall. Duschen gab es eigentlich nur im Ort, rund 30 Minuten entfernt, doch die Frau bot uns glücklicherweise die Mitnutzung ihre private Dusche an. So ein Glück!
Wir schauten uns in der kleinen mobilen Behausung um und beim Blick unter die Bettdecke waren wir doch sehr überrascht! Was war denn das feines? Wir fanden 2 große, weiße, flauschige...Wärmflaschen!!!, die unser Bett kuschelig angewärmt hatten. Jahaa, was habt ihr denn jetzt gedacht?!?! Aber egal; wie lieb war das denn? Das nenne ich eine gelungene Überraschung bei dem Sauwetter, was sich da zusammengebraut hatte!
Nach einem kurzen, verspäteten Mittagsnap nahmen wir ihr Angebot dankend an und lernten auf diese Weise in der Zwischenzeit, in der das Wasser vom Ofen angeheizt wurde, ihre Familie und die Geschichte des Hofes und des kleinen Bauwagens kennen.
Impressionen:


Da lacht er noch....

...doch dann wird ihm die Aufmerksamkeit von diesem Kumpel hier gestohlen :D

Der kleine, rote Bauwagen <3



Kilometerstand: 262,19km
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