
Am nächsten Morgen war der Frühstückstisch bereits gedeckt, der Kaffee aufgesetzt und die gute Laune angeschaltet! Anschließend bot HG uns sogar noch den Luxus uns ein paar Kilometer in seinem Auto mitzunehmen, was besonders mir und meinem mittlerweile dick geschwollenem Fuß zugutekam.
Kurz nachdem wir uns von HG verabschiedet hatten und losgewandert waren, trafen wir auf einen Mann mit einem Haufen Kindern an den Händen. Der Mann war Kindergärtner und hatte afrikanische Wurzeln. Er strahlte uns mit seinen weißen Vorzeigezähnen bereits von Weitem an und war total begeistert, lachte die ganze Zeit aus vollem Herzen und wünschte uns alles Gute für die weitere Reise. Warum auch immer, nach dieser Begegnung waren auch wir noch einen Ticken fröhlicher als zuvor, das Lachen war ansteckend!
Ein anderer verblüffend guter Moment ereignete sich an einer fast unbefahrenen Landstraße, an der plötzlich ein Linienbus anhielt, extra für uns und tatsächlich fragte, ob er uns mitnehmen könnte! So etwas passiert auch nur auf dem Land! In Koblenz wäre der Bus an dir vorbeigebraust, absichtlich durch die größte Pfütze am Wegesrand gefahren und wäre dir zusätzlich noch über den Fuß gefahren! Umso schöner zu sehen, dass es auch noch gescheite Menschen gibt!
Danach allerdings folgte der Tiefpunkt des Tages. Mein Fuß wollte plötzlich keinen einzigen Schritt mehr tun und so stoppten wir an einer Bushaltestelle, um ihm eine Pause zu gönnen. Beim Öffnen des Schuhes zeigte sich auch der Grund dafür: Die super fancy Sportsocken, die ich extra zum Wandern und bereits beim Pilgern getragen hatte, fingen unter meinen Wanderschuhen an die Blutzufuhr zu meinem Fuß zu blockieren. Kein Wunder, dass da nichts mehr funktionierte. Beim Ausziehen der Socke liefen mir unkontrolliert die Tränen über das ganze Gesicht und damit war auch klar, dass die Pause etwas länger dauern würde. Wer hätte gedacht, dass so etwas gleich zu Anfang passieren würde!
Nach knapp einer Stunde Massage, einem Schuhwechsel, viel frischer Luft und ein wenig Süßkram-Placebo wagten wir uns wieder auf den Weg. Doch bis Grünwald zog es sich noch ziemlich und wir mussten viele weitere Pausen einlegen, bis wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit endlich in Grünwald ankamen. Wir hatten ja keine Ahnung, welchen Ort wir uns da ausgesucht hatten!
Es war der Ort, an dem die Häuser sich plötzlich in riesige Villen verwandelten, die Zäune drum herum meterweit in den Himmel ragten, Kameras jede kleinste Bewegung aufzeichneten, gut gekleidete Menschen den Sitz auf dem Traktor gegen einen Ledersessel in einem dicken Schlitten mit 3000 Pferdestärken tauschten. Es war der Ort, an dem die Prominenz hauste. Fußballstars, Schauspieler, weiß der Geier wer noch alles. Und hier sollten wir heute Nacht bleiben? Wir stinkigen, dreckigen Landstreicher?
Unsere Couch hatten wir für dieses Etappenziel natürlich nicht bei Couchsurfing finden können, jetzt war uns auch klar warum! Glück hatten wir jedoch bei AirBnB, im Grunde genommen eine Plattform für bezahltes Couchsurfing.
Etwas irritiert und fast beschämt durchliefen wir die Straßen und fanden letztlich das Haus, in dem wir uns eingebucht hatten. In diesem Riesenbunker gab es viele Wohnungen, die unsere befand sich direkt unter dem Dach. Mit einem Fahrstuhl fuhren wir nach oben. Als die Tür sich öffnete stand ein Mann mittleren Alters vor uns, zwischen seinen Beinen ein junger Kater, dessen sehr edle Rasse mir bislang nicht bekannt war, und auf den Namen Dennis hörte. Der Mann bat uns in die Wohnung, wo wir auf seine Frau trafen. Doch wir konnten uns gar nicht richtig auf ihre Begrüßung konzentrieren, weil wir mit dem Staunen nicht mehr fertig wurden. Die Wohnung war in weißen Hochglanzmöbeln eingerichtet. Jede Bedienung, und sei es bloß das Öffnen einer Schublade, geschah elektrisch. Das Trinkwasser kam frisch gefiltert und gekühlt aus dem riesigen, prall gefüllten Kühlschrank, sogar die Katze bekam ihr deliziöses Futter in Porzellantellern gereicht, in denen locker eine ganze Weihnachtsgans Platz gefunden hätte. Und wir bekamen unser eigenes kleines Reich mit Schlafcouch, Hochglanzmöbeln, superflauschigen Badetüchern und Lichtschaltern mit Zeitverzögerung zugeteilt und waren so überwältigt, dass wir uns erst einmal eine halbe Stunde aufs Bett warfen, an die Decke starrten und versuchten auf die Situation klarzukommen. Unsere beiden Gastgeber waren super cool und locker, sie gaben uns einfach einen Schlüssel und verabschiedeten sich bald um auszugehen, somit hatten wir die ganze Wohnung erst einmal für uns alleine! Woaaaahahahaa!!! Aber da wir immer noch ziemlich eingeschüchtert waren, fassten wir alles mit Samtpfoten an und versuchten keine Spuren zu hinterlassen. Im Gegensatz zu den Beiden erfreuten wir an unseren Spaghetti mit Pesto für 2 Mark Fuffzisch und fielen anschließen wie 2 vollgestopfte Murmeltiere kurz vorm Winterschlaf auf die wohl bequemste Schlafcouch aller Zeiten!
Impressionen:

Humpel kämpft....

8km strikt und stur geradeaus durch den Perlacher Forst Richtung Grünwald; vorbei am Bavaria Filmpark
Kilometerstand: 127,41km
Ich hoffe deinem stinke Füßchen geht's bald besser, freu mich auf eure nächste Etappe! Küssche aufs Schnüssche (Sch)leni
AntwortenLöschenDanke Schleni!!! Habe alles gegeben! :)
Löschen