Freitag, 19. Februar 2016

Regen zum Frühstück, Gemecker zum Mittagessen...

Guten Morgen liebe Sorgen. Seid ihr auch schon alle da? 
Kälte, Sturm und Wolkenbruch, pünktlich, ist doch klar!

Nele brachte mich zum Bäcker. Dort vertrieb ich mir die ersten Morgenstunden und versuchte wach zu werden. Bei der Suppe da draußen war das nicht gerade einfach. Mein Gesicht war aufgequollen, die Augen dick. Die Füße fühlten sich nicht wohl in ihrer zweiten Haut. Meine Klamotten konnten dringend eine Wäsche vertragen. Ich wahrscheinlich auch. Und dazu sehnte ich mich inständig nach 1x2m kuschligem Schaumstoff. Vorzugsweise mit Decke oder Schlafsack. Doch die schauderhaften Geschichten der Bäckersfrau, die von Mord und Totschlag in der gegenüberliegenden kleinen Bahnhofskneipe vom letzten Wochenende erzählte, rüttelten mich augenblicklich wach. Plötzlich verspürte ich den Drang mich auf die Socken zu machen, obgleich der Himmel immer dunkler wurde.

Die Verkäuferin packte mir noch ein paar Schmankerl zusammen und fragte mich, wohin es mich denn heute bei diesem Sauwetter verschlagen würde. Sie war sehr interessiert was ich so zu erzählen hatte. Vielleicht würde ich wenigstens für die nächsten 2 Stunden das Gesprächsthema am Tresen füllen und im Klatsch und Tratsch der kleinen Filiale vorkommen. In jedem Fall wäre meine Geschichte doch besser als die Schaudergeschichten von Messerstechereien und mörderischen Taten, die ich mir heute Morgen anhören musste.

Gegen Mittag verzog ich mich in eine Bäckerei in einem großen Einkaufszentrum. Hauptsache warm und trocken - das war alles, was ich wollte. Doch ich wusste nicht, dass heute "Frauentag" war. Die gesamte Sitzecke der Bäckerei war besiedelt von Singlefrauen, die sich gegenseitig ihr Leid klagten, über das männliche Geschlecht lästerten, körperliche Probleme aus dem Alterungsprozess diskutierten und sich gegenseitig verständnisvoll die Schulter tätschelten. Dabei fiel gelegentlich ein Klumpen Schminke in die mit Lippenstift verschmierte Kaffeetasse. An eine entspannte Mittagspause war ab nun nicht mehr zu denken. Der Boden klebte voll von Selbstmitleid, Gefühlsheuchelei und schlechtem, überdosiertem Parfüm. Die Damen schaukelten sich in ihrem Geschnatter bis an die Schmerzgrenze. Schließlich gesellte sich ein sehr alter Herr schweigend an meinen Tisch, lutsche das Stück Käsekuchen mit einem Teelöffel von seinem Teller und schien den Tinnitus um uns herum gar nicht wahrzunehmen. Beneidenswert. Lag es nun daran, dass er ein Mann war oder trug sein Alter dazu bei?

Erstaunlicherweise zog es mich trotz des Schmuddelwetters dort draußen zurück an die frische, klare, reine Luft und so stiefelte ich entschlossen weiter.

Wie auch gestern schon war ich deutlich zu früh dran und verordnete mir selbst ein Überholverbot; ich versuchte die Schnecken, die ich auf dem Weg traf, möglichst nicht zu überholen, um Zeit zu schinden, denn meine Gastgeberin Lisa würde erst ab 17 Uhr zu Hause sein.
Am Geländer eines Tierparks legte ich eine weitere Pause ein und starrte die Tiere an. Ich lauschte dem Gemecker der Ziegen. Mensch, wie viel Gemecker ich heute schon gehört hatte. Doch dieses hier gefiel mir um Klassen besser! Ich verstand zwar kein Wort des ziegischen Rumorens, aber das Vieh sah beim Vollblutmeckern wenigstens happy aus! Vielleicht erzählte sie ihren Kumpels gerade von ihren Wochenendplänen? Vielleicht hat sie ja auch im Lotto gewonnen? So klang es zumindest.


Das Ziel kam in Reichweite und wie gerufen brach die Wolkendecke auf; ein paar wohltuende Sonnenstrahlen fielen vom Himmel und landeten direkt in meinem kalten Gesicht, das von der ungewohnten Wärme anfing zu bitzeln. Mit einem milden Lächeln und geschlossenen Augen stand ich eine Weile da und saugte das Vitamin D förmlich durch alle Poren auf. Jetzt verstehe ich auch, warum man Sonne "tanken" kann.
Hallo Karlsruhe...
...schön dich kennenzulernen!!! :)

Kreuz und quer durch die Stadt lief ich und genoss das innere Blumenpflücken, als ich mich an den kleinsten Dingen erfreute. Was ein bisschen Licht, Luft und Sonne doch ausmachen können. Und dann stand ich vor einem großen Haus. Allerdings war ich nicht alleine. Vor mir standen 3 weitere Personen, die die Klingel blockierten und darauf warteten, das ihnen jemand die Tür öffnen würde. Als nichts geschah, mogelte ich mich vor und suchte Lisas Klingelschild, bimmelte und wartete ab. Na also, die Tür summte, ich drückte ihr entgegen und befand mich sogleich in dem riesigen Treppenhaus, das nach oben schier kein Ende fand. Wie gut, dass sich für mich bereits im zweiten Stock eine Tür öffnete und ein junges Mädel breitgrinsend in der Tür stand. "Meine Güte, du hast ja vielleicht einen riesigen Rucksack dabei!", begrüßte mich Lisa freudestrahlend. "Komm rein, komm, komm!" Sie nahm mir all mein Gepäck ab, verstaute Snowboard-Klamotten und Wanderschuhe auf dem Balkon, verfrachtete mich auf einen Stuhl in der Küche, reichte mir ein heißes Getränk und wartete gespannt, was ich zu erzählen hatte. Sie fand die Idee weltklasse und gleichermaßen verrückt. Auch sie war schon ziemlich viel herumgekommen und liebte das Unterwegssein.

In der Studenten-WG war heute einiges los. Eine von Lisas Mitbewohnerin war mit ihrem Auszug beschäftigt. Sie würde für ein halbes Jahr nach London gehen. Na, da hatte ich mir ja eine absolute Weltenbummler-WG ausgesucht! Auch Lisa würde im Sommer für ein Semester nach Chile abhauen und saß bereits jetzt schon auf heißen Kohlen. Umso hibbeliger wird man ja, wenn man jetzt schon darüber spricht, obgleich es noch ein wenig hin ist. Aber bevor man sich versieht, sitzt man schon im Flieger oder eben wie ich auf einer Couch bei Menschen, die man gerade erst kennengelernt hat. Zeit ist schon ein sonderbares Maß!

Bald fielen uns unsere Mägen ins Wort und wir beschlossen schnell etwas einkaufen zu gehen. Zum Abendessen gab es eine kräftige Gemüsesuppe. Das stärke, wärmte von Innen auf und zauberte rote Bäckchen.

Am Abend zogen wir der Couch doch noch eine Runde Radfahren vor und so zeigte mir Lisa ihre derzeitige Heimatstadt Karlsruhe bei Nacht. Die Radtour entpuppte sich als regelrechte Stadtrundfahrt mit Besichtigung des berühmten Schlosses, seiner in fächerform ausgestreckten Straßen, erfüllt vom Klang eines Straßenmusikers, der uns für kurze Zeit unser Gehör stahl und beendeten den Tag bei einem Radler aus dem Automaten auf einer Biergartenbank des Unigeländes, umgeben von bunten Lichterketten, der beleuchteten Uni-Bibliothek, in dem einige fleißige Studenten noch immer über ihren Büchern hingen und paukten, und anderen Gleichgesinnten, die den Tag bei Bier und Gesprächen ausklingen ließen. Beim vielen Quasseln merkten wir gar nicht, wie kalt es geworden war, doch die immer dichter werdende, aufsteigende Atemluft verriet uns, dass das Thermometer allmählich bereits blaue Zahlen schrieb. Also nichts wie nach Hause!

Lisa hat nur ein recht kleines Zimmer, doch das bollerten wir auf Saunatemperatur, nicht zuletzt aus dem Grund, dass meine gewaschene Wäsche bis morgen trocknen musste. Mal gespannt ob das klappt. Wir kuschelten uns in ihr 1,40m großes Bett und es dauerte nicht lange, bis ich ins Happyland abgetaucht war.

Impressionen:

Kilometerstand: 587km

Donnerstag, 18. Februar 2016

Irgendjemand da oben muss mich lieb haben!

Ein feuchter Schmatzer weckte mich auf. Nanu? Wer war denn das? Suchend tastete ich mit müden Blicken das Zimmer nach dem heimlichen Knutscher ab. Dann hörte ich jemanden, der sich unter dem Sofa versteckt hatte und am Polster entlangrobbte. Kira! Guten Morgen! :)

Der junge Wirbelwind hatte in der Nacht kaum ein Auge zugetan und das Wohnzimmer in eine Spielwiese verwandelt, doch mich störte es kaum. Ich schlief wie ein Stein, der bereits Moos angesetzt hatte. Langsam wurden auch die restlichen Bewohner wach. Julia sorgte für eine stärkende grüne Energiebombe in Form eines Smoothies, der mir schlagartig die Augen öffnete. 
Die Beiden hatten mir für den heutigen Marsch einen sehr guten Tipp gegeben, damit ich den Asphalt heute nicht wieder prügeln müssen würde.

Marvin nahm mich im Auto mit nach Bühl. Dort hatte ich ca. eine Stunde Aufenthalt, den ich in einem Café mit Kakao und Leckerli ohne jegliche Langeweile, dafür mit dicken Backen und Milchbart hinter mich brachte. 


Beim Blick auf mein mobiles Funktelefon folgte das nächste Strahlen: Ich hatte einen Schlafplatz für heute Nacht! Jawoll!! Zwar nicht in Rastatt, wie ursprünglich geplant, aber das war mir nun auch egal; Hauptsache ein warmes Fleckchen irgendwo!

Jetzt aber schnell zur Bushaltestelle! Von Bühl chauffierte mich ein Linienbus nach Forbach. Vorbei an Skipisten, eingeschneiten Wäldern, zugefrorenen Seen; wie ein Kind klebte ich mit der Stirn an der Scheibe und freute mich über die herrlichen Ausblicke! In Forbach selbst lag leider kein Schnee mehr, doch der Weg versprach um einiges interessanter als gestern zu werden! Danke ihr Zwei für den Tipp!!

Kaum hatte ich die Ortsgrenze von Forbach überschritten, ging mein Handy, mein Navigator, mein Mittel zum Überleben in diesem Augenblick schon wieder schlagartig aus und regte sich nicht mehr. Das war schlecht. Sehr schlecht. Zunächst versuchte ich es mit meinem leicht gestörten geografischen Instinkt. Nachdem ich aber über mehrere, für Fußgänger wohl eher ungeeignete Straßenabschnitte und Brücken, an denen es seitlich gnadenlos bergab ging, überquert hatte, erinnerte ich mich an die Powerbank, die Danilo mir doch da gelassen hatte. Meine Rettung! Ein paar Minuten später hatte mein Handy wieder Saft - dann aber konnte ich zusehen, wie die Empfangsbalken sekündlich abnahmen, im Nichts verschwanden und mir nach kurzer Zeit nur noch die "Kein Service"-Schrift entgegenblitzte. Na Klasse, Willi! Also doch wieder Instinktlauf.

Bestimmt habe ich so nicht den direkten oder angenehmsten Weg gefunden, aber dennoch, die Route war sehr schön. Stundenlang keine Menschenseele, die mir den Weg kreuzte. Bloß die Natur, entfernte Zivilisation und ich.






...guck guck?

Wer auch immer hier haust, ich würde wirklich zu gerne mal ne Nacht dort couchsurfen! :)

Stets nach der Murg mich richtend kam ich viel zu früh in Gaggenau an. Ich wusste, dass erst um 18 Uhr in Kuppenheim einkehren könnte, also suchte ich nach einem Ort, an dem ich einige Zeit verbringen könnte, ohne viel Geld auszugeben, mich nach Öffnungszeiten zu richten und in dem ich vielleicht nicht direkt auffalle. Ratet, welchen Ort ich aufsuchte... Ja, genau richtig: McDonalds! Ich bestellte bloß ein Getränk und verweilte die nächsten 1,5 Stunden auf einer der Polsterbänke irgendwo hinten im Eck, beobachtete die Menschen, die hier ein und ausgingen und war recht froh, als die Uhr anzeigte, dass ich weiterziehen könnte.

Der Endspurt führte mich noch einmal durch die Natur, einen kühlen, luftfeuchten Wald, in dem absolute Ruhe herrschte. Ein schöner Abschluss der Etappe!

Bei Lucca und Nele eingetroffen, durfte ich eine große Luftmatratze im Wohnzimmer mein Eigen nennen. Während Nele das Abendessen zubereitete, setzte Lucca seine gesamte Aufmerksamkeit und Emotion in den Quadratmeter vor dem Flachbildfernseher, der gerade ein Spiel der UEFA Europa League ausstrahlte. Für mich ein sehr amüsantes Bild, doch ich hätte meinen Platz wohl auch definitiv eher in der Küche gesehen. Für das Abendessen wurde eine Fußballpause eingelegt und gegen interessante Gespräche zwischen drei jungen Leuten, deren Geschichte, Beruf, Reisepläne und Allerlei getauscht. Und wieder erstaunte es mich, welche neuen Kenntnisse man aus solchen Gesprächen mitnehmen kann und freue mich jedes Mal erneut, dass ich mich für Couchsurfing entschieden habe!

Leider habe ich es verpasst ein Bild mit den Beiden zu machen :-/
Darum hier ein selbstgemaltes "Werk":



Bemerkung: Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben! Sieht man ja auch.

Impressionen:







Kilometerstand: 561km

Mittwoch, 17. Februar 2016

Asphalt schrubben

Wie immer kam der nächste Morgen schnell. Rasant schnell. Aber der leckere Obstsalat und eine Tasse kräftigen Tee, die mir Liesa vor die Nase setzte, machten mich munter und fit. 
So cool wie Liesa war, brachte sie mich zum Supermarkt in Offenburg und ersparte mir damit ein paar zusätzliche Schritte, denn eigentlich wohnte sie nicht direkt in Offenburg, sondern in Ortenberg. Wie sich herausstellte, war ich bereits gestern auf dem Weg nach Offenburg an Ortenberg vorbeigelaufen, somit durfte ich heute getrost "abkürzen".

Tschüss Liesa!

Im Supermarkt deckte ich mich mit einem heißen Becher Kakao und etwas Essbarem ein, denn es war wirklich bitterkalt an diesem Morgen. Gerade, als ich mein Münzgeld zusammenkratzte, sprach mich ein steinalter, hagerer Mann mit Krückstock an. "Junge Dame, machen Sie Trekking?", fragte er mit zittriger Stimme und zugleich einem Kinderlachen, dass ich wohl niemals mehr vergessen werde! Er war in Begleitung eines ebenfalls älteren Herrn, der sich jedoch in Größe und Breite nichts nahm. Ich glaube, ich habe noch nie ein so goldiges Altenduo gesehen! Sie winkten mir noch nach, als sich das Glas der Schiebetür hinter mir schloss.

Mensch, was für eine langweilige Strecke heute. Mister Google führte mich ohne Ausnahme an der Bundesstraße entlang und verwehrte mir jegliche schöne Aussicht. Scheinbar wirkte ich so armselig, dass gleich 2 Autos unabhängig voneinander anhielten, um mich ein Stückchen mitzunehmen. Um mir dieses Angebot zu machen, legten sie sogar ziemlich spektakuläre Wendemanöver ein. Doch ich blieb eisern, was mir natürlich in diesem Moment nicht leicht fiel; ich lief zu Fuß weiter. Die Beiden akzeptierten, hoben die Daumen und düsten davon. Nach dieser lauten, abgasbelasteten und kargen Etappe wusste ich jegliche Berge und Hügel, Matschpfade, Baum-Mikados und sonstige Hindernisse inmitten der Natur umso mehr zu schätzen!

Mächtig freute ich mich, als ich Ottersweier endlich erreicht hatte. Zwar waren es heute deutlich weniger Kilometer als gestern, doch der Weg an sich hatte mich ziemlich müde gemacht. Ich suchte nach der richtigen Adresse und klingelte bei Julia und Marvin. Die Tür ging auf und ein aufgewecktes junges Mädel kam das Treppenhaus hinuntergesprungen. Das war Julia! Na los, hinein, Schuhe aus, ein Glas Wasser und die Bekanntmachung mit der jungen, verspielten Katze Kira (Ich hoffe, ich erinnere mich richtig an ihren Namen!). Ein paar Gespräche auf der Couch und ein Stück selbstgebackener Kuchen im Wohnzimmer der gemütlichen Wohnung brachten meine Lebensgeister zurück. Es ist immer wieder erstaunlich, wo sich Parallelen mit wildfremden Menschen bilden!

Anschließend gingen wir mit Kira eine Runde durch den großen Garten hinter dem Haus; die Kleine muss sich erst noch an die große, unbekannte, voller Abenteuer lauernde Wildnis gewöhnen und schnuffelte neugierig in jede Ecke, in jedes Mauseloch hinein. Es war richtig schön zu sehen, wie sie gerade die Welt entdeckte!

Abends kam Julias Freund Marvin dazu und dann wurde gekocht und geschmaust, Musik gehört und relaxt. 

Leider musste ich an diesem Abend relativ viel Zeit am Handy verbringen, hatte ich doch für den kommenden Tag, also morgen, noch keinen Unterschlupf finden können. Nun wird es langsam knapp... Ich hoffe doch sehr, dass sich irgendwo ein Bettchen für Adjoa finden wird!
Impressionen:

Gibt's heute quasi keine, die Bundesstraße war nicht hübsch genug!

Das Einzige, was mir auf dem heutigen Weg Kraft und Motivation gegeben hat - Eine gaumenschmausende Liebeserklärung an die Schweiz :)))

Kilometerstand: 536km

Dienstag, 16. Februar 2016

along a lonesome road

07:00 Uhr, der Wecker klingelt. Ernsthaft? Ich hatte gerade soo gut geschlafen!
Unten in der Küche war schon was los. Simeon und seine Freundin würden heute auf dem Feldberg Skifahren gehen. Ich hingegen dachte mit Schrecken an die 36km und damit die bisher längste Etappe auf diesem Trip. Wir alle mussten uns für den Tag stärken, also frühstückten wir ausgelassen, quatschten noch ein wenig, dann aber war es an der Zeit den Hintern zu erheben und sich nach draußen zu quälen! Noch schnell 2 Bananen und einen Vorrat an Capri Sonne, dann war ich bereit loszumarschieren! 


Ich schaffte es gerade einmal in die nächste Straße und schon gab mein Handy den Geist auf. So war das eigentlich nicht geplant. Ich verstehe ja, dass ihm kalt war, aber hey, das war es mir auch! Kein guter Teamplayer! Zum Glück hatte ich eine Power Bank dabei und so konnte ich den Defekt zeitweise umgehen. 
Als es aber in den Wald geht, verlor ich auch den Empfang und damit die Orientierung. Ab dem Zeitpunkt war ich gezwungen auf gut Glück weiterzulaufen, was natürlich derbe in die Hose ging. An einer Gabelung führte der Weg plötzlich in zwei Richtungen, die mich auf keinen Fall ans Ziel bringen würden, also lief ich querwärts in den Wald hinein. Zugegeben war das nicht sonderlich schlau. Das machte sich spätestens dann bemerkbar, als sich vor mir ein Abhang auftat, der sich unüberbrückbar vor meinen Füßen ausbreitete. Da muss ich runter? Irgendwie hatte ich kein gutes Gefühl beim Blick nach unten. Mit gebeugten Knien tastete ich mich Stück für Stück nach unten, griff nach jedem Baumstamm, nach jedem Zweig oder Strauch, der mir Halt geben könnte. Mit jedem Meter zwang es mich tiefer in die Knie. Das Ende vom Lied war, dass ich auf dem Po herumrutschte und die letzten 2 Meter, die es ohne Gnade einfach senkrecht bergab ging, mit einem "Sprung" bewältigten musste.
Ich sah aus, als hätte mich jemand wie eine Rolle Sushi in Sojasoße herumgerollt. Gott sei Dank haben mich die Forstarbeiter, die nur wenige Meter weiter gerade Mittagspause hielten, bei der Nummer nicht gesehen. Das hätte bestimmt einen saftigen Anpfiff gegeben.
Zumindest der darauf folgende Wegabschnitt brachte keine neuen Überraschungen, bloß zog er sich ziemlich, sodass ich Offenburg gerade erreichte, als die Sonne am Horizont verschwand. Aus welchem Grund auch immer fühlte ich mich in Offenburg sehr wohl, auch wenn es nicht lange war, dass wir das Vergnügen miteinander hatten.
Am Rathaus traf ich mich mit Liesa, die mich abholte und zu ihrer Wohnung in Ortenberg brachte. Im großen Wohnzimmer mit Balkon und Blick aufs Schloss lasse ich mich nieder. Na da hätte ich es aber wirklich viel, viel schlimmer treffen können! Auf der Couchlandschaft ruhte ich meine schweren Beine aus und unterhielt mich mit meiner Gastgeberin. Es war erstaunlich, wie viele gleiche Ansichten wir hatten und machte mächtig Spaß sich über bestimmte Dinge auszulassen. Gegen 23 Uhr musste ich leider passen und verabschiedete mich ins ferne Land der Träume.

Impressionen:




Ach.... Offenburg! <3

Kilometerstand: 509km

Montag, 15. Februar 2016

Einsam an der Dreisam

Und schon war er da, der Tag der Trennung. Während ich schon bei Regen in den Straßen Freiburgs umherirrte und mit meinem defekten Handy, was sich in einem Akkuschaden und der gedrosselter Internetverbindung und äußerte, versuchte einen Weg hinaus aus der Stadt zu finden, packte Danilo im Hostel gerade seine Sachen zusammen, um am heutigen Tage nach Hause zu fahren. 
Ich bin es wohl gewohnt alleine durch die Gegend zu ziehen, doch dieses Mal schlug mir die Mischung aus Abschied, Sprühregen und Autoabgasen mächtig aufs Gemüt. Es war mir, als hätte ich etwas im Hostel vergessen.
Die potthässlichen Schrebergärten, die ich nun durchwanderte, stimmten mich nicht unbedingt um. Doch aber vergnügten mich die Entenscharren auf der Dreisam, die mich ganz interessiert anschauten und herumschnatterten, als würden sie sich gegenseitig von ihren Wochenenden erzählen. Einige Male machte die Dreisam einen Satz, wo das fließende Gewässer aufsprudelte. An diesen Stellen surften besonders viele Enten herum und schienen die Wasserbahnfahrt in vollen Zügen zu genießen. Verdammt gerne wäre ich zu ihnen ins Wasser gehüpft, dazu war es dann aber doch zu kalt.
Der Weg blieb die ganze Zeit über gleich. Ich lief über den Damm, die Dreisam folgte Beifuß. Was sich aber veränderte war das Wetter - zum Glück. Wenigstens wurden die dicken Regentropfen immer schlanker, bis sie endgültig verschwunden waren und nur den aufgeweichten matschigen Boden zurückließen. 
Am Abend lief ich in Herbolzheim / Tutschfelden ein. Dort wurde ich schon von meinem host Simeon erwartet. Er bittet mich hinein. Es ist sein Elternhaus. Das obere Stockwerk steht leer und wurde mir für die kommende Nacht überlassen. Simeon schmiss extra den Kaminofen an und so kam ich langsam wieder auf Betriebstemperatur. Derweilen erzählten wir und plauderten aus dem Nähkästchen über die vielen verrückten Ereignisse, die wir auf unseren Reisen bisher erlebt hatten. Besonders bei den low budget Geschichten, die Simeon auf Lager hatte, wurde ich an meine Spitzenzeiten in Australien und Neuseeland erinnert, in denen ich mich wochenlang drei Mal täglich von Instant Noodles ernährt hatte. 
Nach der allabendlichen heißen Dusche lernte ich seine Freundin und einen Großteil der sechsköpfigen Familie kennen. Darunter auch seinen Bruder, der gerade frisch aus den USA zurückgeflogen kam. Beim gemeinsamen Abendessen kamen viele lustige Themen, einige Buchvorschläge von Leuten, die alleine oder mit vierpfotiger Unterstützung irgendwo in der Weltgeschichte Kilometer prellten, und Grundsatzdiskussionen über Gott und die Welt, in denen wir uns immer ziemlich einig waren, auf den Tisch. Bei so viel Reiseerfahrung wie in diesem Raum schienen die Uhrzeiger zu sprinten und ruckzuck war die Nacht angebrochen. Es war Zeit ins Bett zu gehen, morgen warteten wieder einige Kilometer darauf heruntergerissen zu werden!

Impressionen:

Die einzigen "Sehenswürdigkeiten auf dem Weg



Kilometerstand: 473,35km

Sonntag, 14. Februar 2016

F.R.E.I.B.U.R.G


Tschüss Andre! :)

Valentinstag. Der Plan war ja eigentlich klischeemäßig bei einem Bäcker um die Ecke gemütlich zu frühstücken. Das Schicksal wollte es anders: Der Bäcker hatte geschlossen, die einzigen zwei Läden in nächster Nähe, die geöffnet hatten, waren die Tanke und McDonald's.  Bei der Auswahl konnte man dann auch nichts mehr falsch machen...

Petrus konnte sich heute Morgen gar nicht entscheiden, ob er uns mit Regentropfen oder Schneeflocken bewerfen sollte. Er entschied sich für einen matschigen Mix. Diese Suppe machte es unglaublich schwer voran zu kommen. Schon für die ersten Kilometer brauchten wir eine Ewigkeit. Wir rutschten durch die Gegend und fanden ums Verderben keinen Halt. Das machte die Sache ziemlich anstrengend. Dazu kam noch, dass Schuhe und Kleidung dem Wetter nicht länger standhalten konnte. Bei jedem Schritt quatsche das eisige Schneewasser durch die Zehen. Danilos Snowboardhose war durch und durch nass, auch die anderen Klamotten konnten dan Sabsch nicht mehr von uns halten.
Bis Hinterzarten kämpften wir uns noch durch, entschlossen uns dann aber mit dem Zug abzukürzen, da wir weder wussten, ob es einen festen Wanderweg zum nächstgroßeren Ort Kirchzarten gab, und wenn ja, ob dieser begehbar sein würde. Ein wenig ärgerlich war das schon, sich aber heute die Haxen zu brechen, darauf wollten wir es nicht unbedingt ankommen lassen. 
Schwubsdiwubs waren wir in Kirchzarten und hatten so viel an Höhenmetern verloren, dass von Schnee und Regen keine Spur mehr war. Ab jetzt konnten wir entspannt bis nach Freiburg durchlaufen. 
In der Nähe vom Bahnhof hatte Danilo ein Zimmer im Stay Inn Hostel reserviert. Unsere Erwartungen waren dürftig. Umso überraschter waren wir, als der Schlüssel mit einem leichten Krachen die Bolzen des Schlosses löste und sich die Tür ins Paradies öffnete. 2 Etagen, ein großes Bett, Fußbodenheizung. Oh. Mein. Gott. Es war wundervoll! 



Nachdem wir eine dreitägige Dusche genommen hatten und ein wenig ausgeruht waren, wurde es Zeit unsere hungrigen Mägen mit leckerem Essen zu füllen. Das afghanische Restaurant direkt vor der Tür lachte uns so sehr an, dass wir trotz Marsch in die Stadt schnell wieder zurückliefen, um dort gebührend zu speisen, schließlich war es der letzte gemeinsame Abend...

Kilometerstand: 443,35km

Samstag, 13. Februar 2016

"I did it my way"

Wenn der Morgen mit Frank Sinatra startet, verspricht der Tag wohl gut zu werden! Zusammen mit Lars frühstückten wir und zwängten uns danach in unsere Wanderuniformen. Die Nacht hatte es wieder geschneit; wir waren gespannt, wie viel Neuschnee uns auf der Strecke erwarten würde. Wir hatten ja keine Ahnung...
Kaum hatten wir Rietheim hinter uns gelassen, ging es aufwärts, hoch hinauf. Mit jedem Schritt kam ein Millimeter Schnee dazu. Und es waren einige Schritte, die wir zurücklegten! 
Wir kamen in einen Wald, der aussah wie aus einem Disneyfilm. Hohe Tannen, mit Schnee bepudert, auch auf dem Boden eine samtig weiche unberührte Schneedecke. Dazu schien die Sonne und ließ die Eispfützen und Kristalle, die an Bäumen und Gehölz hinunterhingen, funkeln und glänzen. 








Auch heute wollte der Berg nicht freiwillig enden, es ging weiter und weiter nach oben. Kein Wunder, waren wir doch nur noch einen Katzensprung vom Feldberg entfernt! Wenn die Sonne ihre starken Momente hatte, brachte sie all den Schnee auf den Baumspitzen zum Schmelzen, sodass wir uns im reinsten Regenwald wiederfanden, wenngleich der Boden noch knöchelhoch mit Schnee bedeckt war. Dabei fingen die abgeholzten Baumstämme an ihren frischen Holzduft auszusenden - ein Duft, den ich absolut liebe! Unter dem Schnee brachen die darunter verborgenen, vereisten Pfützen mit einem himmlischen Geräusch. 
Nach einer Weile verließen wir die Strecke mit den Reifenrillen und den Fußstapfen im Schnee; ab jetzt waren wir die Einzigen, die Fußspuren hinterließen.





Wo es bergauf geht, geht es irgendwann wieder bergab. So auch hier. Durch das frostige Wetter war der Abstieg aber alles andere als ein Zuckerschlecken. Wie sehr hätte ich mir jetzt einen Schlitten gewünscht und wäre den Weg einfach sitzend hinuntergedüst! Ich war so kurz davor meinen Backpack umzudrehen und ihn als Schlitten zu missbrauchen, doch fasste ich mir ein Herz und verschonte ihn. Höchstwahrscheinlich hätten wir diesen Spaß beide nicht unversehrt überstanden.
Wieder im Tal kamen wir bald an eine Strecke, die zu Fuß nicht passierbar war. Es gab lediglich eine wild befahrene Straße, keinen Rad- oder Fußweg. Und nun? Von weitem sahen wir eine Bushaltestelle, hatten aber keine große Hoffnung, dass genau jetzt einen Bus vorbeifahren würde. Aber wir hatten doch Glück. In 7 Minuten würde, sofern der Plan stimmte, ein Bus kommen, der uns das gefährliche Stück ersparen würde! Ein Bus von fünf Fahrten täglich, so viel Glück muss man erst einmal haben! Als der Bus kam und uns der Busfahrer dann noch erzählte, dass erst letzte Woche eine Frau auf der Strecke vom Auto erfasst worden war, begrüßten wir unsere Entscheidung umso mehr! 
Ein und ein paar Kilometer weiter sprangen wir wieder raus und stapften zu Fuß weiter. Das Wetter wurde immer genialer, das Schneebarometer stand auf Kniehoch, Wege waren nicht mehr von Feldern, Pfützen oder sonstigem zu unterscheiden. Es war einfach herrlich! So sehr sogar, dass ich am heutigen Tage am liebsten niemals angekommen wäre. 
Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Neustadt / Titisee. Dort empfing uns Andre, unser host, in seiner kleinen, süßen Wohnung mit Blick auf den eingeschneiten Garten. Zur Erfrischung nach der langen Wanderung gab es Tee, Kekse und frisches Obst. Zum Abendessen zauberte Andre eine mortz große Pfanne gebratene Chinanudeln mit Hähnchen. Das Blitzen in unseren Augen muss erblindend gewesen sein! Wir fühlten uns pudelwohl, es war warm, es war gemütlich, wir waren pappsatt. Besser hätte dieser Tag nicht sein können! 

Impressionen:







Und wieder endet ein Weg...



Kilometerstand: 418,35km