Endlich sind die Klausuren runtergetackert, jetzt gilt meine volle Aufmerksamkeit wieder der Wanderlust. Hat man sich doch nach 8 Wochen Beziehung mit seinem Schreibtisch, wissenschaftlichen Texten, geschwollenen und überheblichen Wissensausstößen und dauerhaft blauen Fingerkuppen auch mal verdient. ;) Aus eben diesem Grund und um den dicken Po mal wieder in die Freiheit zu bewegen, gehe ich mir ab morgen ein wenig die Füße vertreten. Starten werde ich in Kirchdorf am Inn. Sagt euch wohl nix, wa? Würde es mir auch nicht, wenn nicht mein alter Lieblings Travelmate dort wohnen würde: die Elena! Mit dem Bus geht es zunächst nach Passau, anschließend nach Kirchdorf und am nächsten Tag dann richtig zur Sache, denn sobald ich den ersten Schritt aus der Tür wagen werde, warten rund 800 km darauf abgelaufen zu werden. Die Route führt mich vom Startpunkt nach Wasserburg, Andechs, vorbei am Starnberger und Ammersee, weiter nach Ravensburg, am Bodensee entlang immer weiter bis nach Freiburg. Die ganze Strecke über bin ich in Begleitung von Danilo, der sich glücklicherweise 2 Wochen aus seinem Arbeitsleben rausschaffen konnte und große Lust hat sich die Füße blasig zu laufen. In Freiburg allerdings trennen sich unsere Wege; von dort an gehen ich und mein immer noch namenloser Backpack alleine weiter. Offenburg, Straßburg, Karlsruhe, Heidelberg.....28 Tage und Nächte später: Münster-Sarmsheim - Endstation!
Da es keinen einheitlichen Fernwanderweg für die ganze Strecke gibt, haben wir uns eben eine eigene Route zusammengezimmert. Zugegeben, das war gar nicht mal so einfach; google.maps und outdooractive können sehr heimtückisch sein! Regelmäßige Softwareabstürze bei einer solchen Palette an Kilometern sind da an der Tagesordnung. So saßen wir 2 Helden also hier mit Block und Stift, Laptop und einer Tasse Baldriantee und klabusterten Stück für Stück, Tourtag für Tourtag, Kilometer für Kilometer eine blaue Linie durch die Deutschlandkarte.
Dann ergibt sich natürlich auch folgende Frage: Es ist Januar/Februar - wo schlafen? Draußen ist es wohl etwas zu kalt um das Zelt aufzuschlagen. Zumindest mit unserer Ausrüstung. Für 28 Hotelbesuche würde unser Budget aber wohl kaum ausreichen. Wie gut, dass Casey Fenton im Jahre 2003 das Couchsurfen erfunden hat. Cooler Typ! Denn aufgrund seiner Erfindung ist es Millionen Reisenden nun möglich um die Welt zu reisen, ohne sich dieser lästigen Frage stellen zu müssen. Wer es nicht kennt: Über das Netzwerk ist es spielend einfach fremde Menschen auf der ganzen Welt ausfindig zu machen, die arme Backpacker bei sich aufnehmen und ihnen einen warmen Schlafplatz für die Nacht bereitstellen. Die ganze Sache läuft zunächst ohne Geld - bezahlt wird mit Reiseerfahrungen, Geschichten aus aller Welt, und sofern zumutbar einem vom Backpacker zubereitetes Festtagsmahl und natürlich dem lebenslang gültigen Gegenangebot der eigenen Couch im Heimatort oder in der Heimatstadt. Nur so viel zur Info für die Leute, die Couchsurfing noch nicht kennen.
Nun ja, über diese Plattform sind wir gerade fleißig dabei fremde Menschen anzuschreiben - bisher recht erfolgreich. So wie es aussieht, müssen wir lediglich 3 Nächte im Freien verbringen...
Allgemein muss ich aber sagen: Ich bin immer wieder sprachlos, wie viele tolle und hilfsbereite Menschen es doch dort draußen gibt - ja sogar in unserem ach so verklemmten Deutschland. Lassen einfach wildfremde Reisende in ihre privaten 4 Wände ohne Bedenken, ohne Zweifel, ja sie bieten sogar eher noch einen warmen Bauerntopf und ein paar Filzpantoffeln an, dass es uns auch ja gut ergeht.
Wenn man natürlich schon mal unterwegs ist, bietet es sich ja auch an hier und dort ein paar alte Freunde und Bekannte zu besuchen, die man doch teilweise mehrere Jahre nicht mehr gesehen hat. Darauf freue ich mich ja schon fast am meisten! Neben Elena, mit der ich 2013/14 satte 6 Monate zusammen durch Australien gereist bin, stehen noch ein paar andere Bekanntschaften auf dem Plan, auf die ich mich sehr freue!
Da meine Kamera nach der letzten Reise immer noch kaputt in der Schublade lag, war es an der Zeit der guten alten Dame einmal wieder Tageslicht zuzuführen, sofern das im Winter überhaupt möglich ist. Ein Glück hat die Gute keinen Vitamin-D-Spiegel...Ich bin nun endlich im Besitz eines nigelnagelneuen Objektives, dass Momente in Bilder verwandelt wie ein Maschinengewehr.
Ein ganz anderes Problem stellte sich auch in Bezug auf die Laufzeit unserer Handyakkus heraus. Eigentlich ja sehr wichtig, wegen der Route, wegen den Couchsurfing-Kontakten etc. Teilweise werden wir uns auf Strecken bewegen, wo man eventuell auch aufgrund der Jahreszeit und der generell geringen Population nicht ständig Menschen über den Weg läuft. Wir haben uns deswegen für die altmodische Alternative einer Wanderkarte entschieden. Ach was sage ich, wir haben 4 davon! Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, nun sind alle Bereiche perfekt abgedeckt. Wenn wir uns also verlaufen sollten, so wird es wahrscheinlich an mangelnder geographischer Kompetenz und fehlender Fähigkeit zur Selbstorientierung hängen - das klingt nach Spaß! :)
Zudem sind die Dinger wasserfest und eignen sich im schlimmsten Fall bestimmt auch als Zeltplane! :)
Natürlich haben wir uns bei dem Sauwetter da draußen entsprechend eingekleidet. Mit wetterfester Kleidung sollte uns selbst der schlimmste Schneesturm nichts anhaben können - soweit zur Theorie.
Ich bin gespannt, welche ungeahnten Schwierigkeiten uns noch den Weg kreuzen werden. Und Himmel, ich freue mich drauf!
Morgen früh geht's los, wir sehen uns!
Natürlich haben wir uns bei dem Sauwetter da draußen entsprechend eingekleidet. Mit wetterfester Kleidung sollte uns selbst der schlimmste Schneesturm nichts anhaben können - soweit zur Theorie.
Ich bin gespannt, welche ungeahnten Schwierigkeiten uns noch den Weg kreuzen werden. Und Himmel, ich freue mich drauf!
Morgen früh geht's los, wir sehen uns!
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