Freitag, 29. Januar 2016

Passau 8 Grad Regen

Gemütlich um halb 10 Uhr morgens kamen wir in Frankfurt am Hauptbahnhof an. Dort hatten wir 45 Minuten Aufenthalt und suchten uns aus diesem Grund ein warmes Plätzchen im Bahnhofsgebäude. Danilo hatte sich gerade den Eintritt für das stille Örtchen erkauft, als plötzlich der Feueralarm losging. Kurz darauf wurden alle Gäste mit äußerster Dringlichkeit aufgefordert das Gebäude zügig zu verlassen. Also schleppte ich mich mit den zwei Backpacks Richtung Ausgang; Danilo hingegen versuchte den investierten Euro wirtschaftlich effizient auszukosten. Zwar nicht mit entspannter Miene aber wie die Ruhe selbst kam er aus der Toilettentür geschlendert und ließ sich von den hibbeligen Securities keineswegs hetzen. "Für den Euro hätte ich locker ne halbe Stunde erwarten können!", schnaubte er. Ein herrliches Bild!

Nach diesem Rauswurf begaben wir uns an den Busbahnhof und warteten auf die Abfahrt. Die Busfahrt zog sich, nach einer gefühlten 3-tägigen Reise durch Wind, Wetter und Walachei erreichten wir Passau. 8 Grad, Regen. Das graue Wetter war aber natürlich in Nullkommanix vergessen, als Elena um die Ecke gedüst kam! Reunion nach knapp einem Jahr! Die Travelmates wiedervereint. Sie führte uns durch das heute so verregnete, kalte Passau, zeigte uns den beeindruckenden Dom und wir bekamen anschließend den sagenhaften Blick bei Nacht auf die Burg zu Burghausen - übrigens die längste Burg der Welt - ein Wahnsinnsteil! Danach ging es nach Hause und zack war auch schon der nächste Morgen angebrochen. Wir wurden bedient wie die Könige und traten die erste Tagestour ausgeschlafen, mit vollem Bauch und Lunchpaket an.


Gerade waren wir aus der Tür getreten, da schien uns die Sonne ins Gesicht. Wenn das mal keine Motivation weckte! Zu Anfang gab es, wie hätte es auch anders sein können, ein paar Koordinationsschwierigkeiten. Wie 2 Betrunkene liefen wir im Zickzack durch die Straßen, bis wir endlich den Dreh raus hatten, wo es lang ging.

Die Leute, die wir auf dem Weg trafen, waren überaus freundlich, eventuell etwas verdutzt und fragten stets, wohin wir denn laufen. Einer, der mitten auf der Schnellstraße anhielt, wollte uns sogar im Auto mitnehmen - ein verlockendes Angebot...aber...nein! Als wir ihm entgegneten, wie weit der Fußmarsch uns noch führen würde, fror sein Lächeln ein. "Die sind doch komplett behämmert!", konnten wir in seinem Gesicht ablesen.


Kurz bevor unsere Kräfte schwanden, fanden wir in einem 200-Seelendorf den ersten Supermarkt auf der ganzen Strecke. Zwar winzig und kompakt, aber es gab Wasser, eine Wursttheke und Semmel! Gib dem Kind 'ne Fleischwurst und ein Brötchen und die Welt ist wieder in Ordnung! So war es schon immer. Das nette ältere Pärchen im Laden war so fasziniert von uns, dass sie uns sogar eine Tube Senf dazu schenkte. Wir haben zwar kein Wort verstanden von dem was sie sagten, unsere Ohren scheinen auf den bayrischen Dialekt einfach nicht geschult zu sein, aber ihre Gesten waren eindeutig. Vor dem Laden wurde geschmaust, mei waren wir plötzlich wieder energiegeladen!




Danilo brachte die restliche Tube Senf zurück an die Theke und die Beiden Waren so entzückt, dass sie ihm noch eine Schokolade schenkten - zu süß! :D Aber ich verfalle schon wieder in die Rolle nur übers Essen zu reden!

Jetzt hatten wir noch 6 km zu bewältigen, die uns durch den tiefsten Wald, den dicksten Matschpfad, vorbei an zugefrorenen Wasserpfützen, dem bösen Wolf und Rotkäppchens Großmutter und zum Schluss über die zahlreichen, ich möchte mal sagen "interessant" riechenden Rapsfelder führten; und dann aber war es geschafft!









Wir kehrten bei Elke & Martin und ihrer kleinen, süßen Tochter ein. Kaum waren wir drinnen, wurden wir schon herzlichst umsorgt. Zum Abendessen gab es eine wärmende Linsensuppe, Wein und außergewöhnliche Geschichten aus aller Welt. Die Beiden haben glaube ich schon mehr Länder bereist, als unsere Erde überhaupt zu bieten hat und wahrscheinlich hier und dort ein paar neue Inseln entdeckt. Während wir zuhörten, konstruierten sich in unseren Köpfen bereits tausende neue Ziele, die wir bereisen wollten! Wirklich faszinierend und Hut ab! Obendrein hat Danilo eine neue kleine Spielgefährtin gefunden!

Nun liegen wir hier, in unserem eigenen Schlafzimmer, geduscht und eingekuschelt und können unser Glück kaum fassen! Für heute ist Feierabend und wir lassen unsere müden Füße und die ersten fetten Blasen ruhen.

Die ersten 30km haben wir geschafft

Mittwoch, 27. Januar 2016

itchy feet

Freunde der Sonne, es geht wieder los!

Endlich sind die Klausuren runtergetackert, jetzt gilt meine volle Aufmerksamkeit wieder der Wanderlust. Hat man sich doch nach 8 Wochen Beziehung mit seinem Schreibtisch, wissenschaftlichen Texten, geschwollenen und überheblichen Wissensausstößen und dauerhaft blauen Fingerkuppen auch mal verdient. ;) Aus eben diesem Grund und um den dicken Po mal wieder in die Freiheit zu bewegen, gehe ich mir ab morgen ein wenig die Füße vertreten. Starten werde ich in Kirchdorf am Inn. Sagt euch wohl nix, wa? Würde es mir auch nicht, wenn nicht mein alter Lieblings Travelmate dort wohnen würde: die Elena! Mit dem Bus geht es zunächst nach Passau, anschließend nach Kirchdorf und am nächsten Tag dann richtig zur Sache, denn sobald ich den ersten Schritt aus der Tür wagen werde, warten rund 800 km darauf abgelaufen zu werden. Die Route führt mich vom Startpunkt nach Wasserburg, Andechs, vorbei am Starnberger und Ammersee, weiter nach Ravensburg, am Bodensee entlang immer weiter bis nach Freiburg. Die ganze Strecke über bin ich in Begleitung von Danilo, der sich glücklicherweise 2 Wochen aus seinem Arbeitsleben rausschaffen konnte und große Lust hat sich die Füße blasig zu laufen. In Freiburg allerdings trennen sich unsere Wege; von dort an gehen ich und mein immer noch namenloser Backpack alleine weiter. Offenburg, Straßburg, Karlsruhe, Heidelberg.....28 Tage und Nächte später: Münster-Sarmsheim - Endstation!

Da es keinen einheitlichen Fernwanderweg für die ganze Strecke gibt, haben wir uns eben eine eigene Route zusammengezimmert. Zugegeben, das war gar nicht mal so einfach; google.maps und outdooractive können sehr heimtückisch sein! Regelmäßige Softwareabstürze bei einer solchen Palette an Kilometern sind da an der Tagesordnung. So saßen wir 2 Helden also hier mit Block und Stift, Laptop und einer Tasse Baldriantee und klabusterten Stück für Stück, Tourtag für Tourtag, Kilometer für Kilometer eine blaue Linie durch die Deutschlandkarte.

Dann ergibt sich natürlich auch folgende Frage: Es ist Januar/Februar - wo schlafen? Draußen ist es wohl etwas zu kalt um das Zelt aufzuschlagen. Zumindest mit unserer Ausrüstung. Für 28 Hotelbesuche würde unser Budget aber wohl kaum ausreichen. Wie gut, dass Casey Fenton im Jahre 2003 das Couchsurfen erfunden hat. Cooler Typ! Denn aufgrund seiner Erfindung ist es Millionen Reisenden nun möglich um die Welt zu reisen, ohne sich dieser lästigen Frage stellen zu müssen. Wer es nicht kennt: Über das Netzwerk ist es spielend einfach fremde Menschen auf der ganzen Welt ausfindig zu machen, die arme Backpacker bei sich aufnehmen und ihnen einen warmen Schlafplatz für die Nacht bereitstellen. Die ganze Sache läuft zunächst ohne Geld - bezahlt wird mit Reiseerfahrungen, Geschichten aus aller Welt, und sofern zumutbar einem vom Backpacker zubereitetes Festtagsmahl und natürlich dem lebenslang gültigen Gegenangebot der eigenen Couch im Heimatort oder in der Heimatstadt. Nur so viel zur Info für die Leute, die Couchsurfing noch nicht kennen.
Nun ja, über diese Plattform sind wir gerade fleißig dabei fremde Menschen anzuschreiben - bisher recht erfolgreich. So wie es aussieht, müssen wir lediglich 3 Nächte im Freien verbringen...
Allgemein muss ich aber sagen: Ich bin immer wieder sprachlos, wie viele tolle und hilfsbereite Menschen es doch dort draußen gibt - ja sogar in unserem ach so verklemmten Deutschland. Lassen einfach wildfremde Reisende in ihre privaten 4 Wände ohne Bedenken, ohne Zweifel, ja sie bieten sogar eher noch einen warmen Bauerntopf und ein paar Filzpantoffeln an, dass es uns auch ja gut ergeht.

Wenn man natürlich schon mal unterwegs ist, bietet es sich ja auch an hier und dort ein paar alte Freunde und Bekannte zu besuchen, die man doch teilweise mehrere Jahre nicht mehr gesehen hat. Darauf freue ich mich ja schon fast am meisten! Neben Elena, mit der ich 2013/14 satte 6 Monate zusammen durch Australien gereist bin, stehen noch ein paar andere Bekanntschaften auf dem Plan, auf die ich mich sehr freue!

Da meine Kamera nach der letzten Reise immer noch kaputt in der Schublade lag, war es an der Zeit der guten alten Dame einmal wieder Tageslicht zuzuführen, sofern das im Winter überhaupt möglich ist. Ein Glück hat die Gute keinen Vitamin-D-Spiegel...Ich bin nun endlich im Besitz eines nigelnagelneuen Objektives, dass Momente in Bilder verwandelt wie ein Maschinengewehr.

Ein ganz anderes Problem stellte sich auch in Bezug auf die Laufzeit unserer Handyakkus heraus. Eigentlich ja sehr wichtig, wegen der Route, wegen den Couchsurfing-Kontakten etc. Teilweise werden wir uns auf Strecken bewegen, wo man eventuell auch aufgrund der Jahreszeit und der generell geringen Population nicht ständig Menschen über den Weg läuft. Wir haben uns deswegen für die altmodische Alternative einer Wanderkarte entschieden. Ach was sage ich, wir haben 4 davon! Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, nun sind alle Bereiche perfekt abgedeckt. Wenn wir uns also verlaufen sollten, so wird es wahrscheinlich an mangelnder geographischer Kompetenz und fehlender Fähigkeit zur Selbstorientierung hängen - das klingt nach Spaß! :)
Zudem sind die Dinger wasserfest und eignen sich im schlimmsten Fall bestimmt auch als Zeltplane! :)

Natürlich haben wir uns bei dem Sauwetter da draußen entsprechend eingekleidet. Mit wetterfester Kleidung sollte uns selbst der schlimmste Schneesturm nichts anhaben können - soweit zur Theorie.

Ich bin gespannt, welche ungeahnten Schwierigkeiten uns noch den Weg kreuzen werden. Und Himmel, ich freue mich drauf!

Morgen früh geht's los, wir sehen uns!